12 regulieren, weil von der absoluten Vollkommenheit ihrer Funktion die ganze Bewegung des Mechanismus abhängt. Auf den letzten Seiten des Buches endlich suchte ich einer, wie mir scheint, tiefen und oft übersehenen Wahr heit Ausdruck zu geben. Mit der langsam fortschreitenden Entwicklung der Menschheit und der menschlichen Gesell schaft aus ihrem gegenwärtigen barbarischen und halb barbarischen zu einem höheren Zustand auf dem Gebiet des Geschlechtslebens wird es sich immer deutlicher zei gen, daß neben und über der Funktion, den Strom des physischen Lebens zu erzeugen und weiter zu leiten (einer Funktion, die das Gattungsleben der Menschheit mit dem der niedrigsten Tiere und Pflanzenteilt, die aber selbst von bedeu tenden Denkern der Gegenwart als dessen einzig mögliche betrachtet zu werden scheint), das Geschlecht und die ge schlechtliche Verbindung von Mann und Frau, ganz ab gesehen von der physischen Fortpflanzung, auch ästhe tische, geistige und seelische Funktionen und Ziele besitzt. So vornehm die Aufgabe der physischen Fortpflanzung der Menschheit durch die Vereinigung von Mann und Frau an sich ist, so liegen in ihr, richtig besehen, noch andere höhere Formen schöpferischer Energie und lebenspen dender Kraft verborgen, deren Geschichte auf Erden kaum begonnen hat. So wie die erste wilde Rose, als sie an ihrem Stengel saß, mit ihrem Kreis von Staubfäden und Stempel und einem einzigen Wirtel blasser Blumenblätter erst ihren Lauf begonnen hatte und dazu bestimmt war, im Laufe der Zeiten Staubfaden um Staubfaden, Blatt um Blatt zu entwickeln, bis sie hunderte Formen der Freude und Schönheit annahm. Und es möchte fast scheinen, daß, während der Mann so oft auf anderen Wegen der Führende war, hier auf dem Wege zu höherem Geschlechtsleben auf Erden es viel leicht die Frau sein wird, die auf Grund jener selben ge schlechtlichen Bedingungen, die sie in der Vergangenheit