16 trugen es in unseren Armen, durch uns ward es gebildet, ernährt und bekleidet. Mühsamer und endloser war unsere Arbeit als jene des Mannes, und dennoch klagten wir nie, daß sie uns zu schwer fiele. Während der wilde Mann im Sonnenschein auf seinen Fellen lag, ausruhte, um neue Kräfte für Jagd und Krieg zu sammeln, oder seine tod bringenden Waffen schnitzte, aß und trank er, was unsere Hände für ihn bereitet hatten. Und wenn wir über unserem Mühlstein knieten oder die Felder auf harkten, vielleicht mit einem Kinde im Leibe und einem andern auf dem Rücken, arbeiteten, bis der junge Körper vorzeitig alterte — jammerten wir jemals, daß die uns zugeteilte Arbeit zu hart sei? Wußten wir nicht, daß das Weib, das sich seiner Bürde entledigte, dem Manne glich, der in der Schlacht seinen Schild wegwarf — ein Feigling und Verräter seines Volkes? Der Mann kämpfte — das war seine Aufgabe; wir ernährten und zogen das Geschlecht auf — das war die unsere. Wir wußten, daß von unserer Arbeit wie von der des Mannes das Leben und Wohlbefinden des Volkes ab hing, das wir geboren hatten. Wir ertrugen unsere schwere Arbeit ruhig, wie der Mann seine Wunden, und wir waren zufrieden. Dann kam wieder ein Wandel. Jahrhunderte vergingen, und es kam eine Zeit, wo nicht mehr alle Männer auf die Jagd oder in den Krieg mußten, wo nur einer von fünf oder von zehn oder von zwanzig fortwährend hiervon in An spruch genommen wurde; da nahm unser Gefährte einen Teil unserer Arbeit auf sich; denn sein altes Arbeitsfeld bot nicht mehr genug Beschäftigung. Auch er begann das Feld zu bebauen, Häuser zu errichten, Korn zu mahlen, oder seine Sklaven mußten es tun; und die Harke, die Töpferscheibe und sogar der Mahlstein, den wir zuerst auf gelesen und geglättet hatten, um die Nahrung unserer Kin der zu mahlen, alles ging von unseren Händen in die sei nen über. Das alte schöne Leben im Freien hatte für uns