2 Schreiner, Die Frau 17 ein Ende; wir zogen uns in die Häuser zurück, wo die Zeit langsamer vergeht und die Welt trauriger erscheint als unter freiem Himmel; doch wir hatten unsere Arbeit und wir waren zufrieden. Wenn wdr auch die Nahrung unse res Volkes nicht mehr unter unseren Händen reifen sahen, so bereiteten wir sie doch; wenn wir auch den Flachs und den Hanf nicht immer mehr selbst pflanzten und vorrich teten, so webten wir doch die Gewänder für die Unseren; wenn wir auch die Wände unserer Häuser nicht mehr er richteten, so bedeckten wir sie doch mit Teppichen, die das Werk unserer Hände waren. Wir brauten das Bier, kochten und verordneten die Heiltränke, die als Arzneien dienten, und unter unseren Augen wuchsen die Kinder, die wir geboren, heran von der Geburt bis zur Mannheit; ihre Stimme konnte uns immer erreichen. Wir saßen spinnend vor der Haustüre und blickten über die Felder hin, die wir einst selbst bestellt hatten — und wir waren zufrieden. Adlige, Bäuerinnen und Bürgersfrauen, wir alle hatten unser Teil Arbeit zugemessen! Hätte man vor tausend Jahren irgendeine Edeldame ge fragt, ob sie nicht in den Kampf ziehen wolle oder im Ratssaal Recht sprechen, oder neue Gesetze beraten wolle, sie hätte sicher geantwortet: „Bin ich verrückt, daß man solche Fragen an mich richtet? Habe ich nicht hundert Mägde am Spinnrad und am Stickrahmen sitzen ? Muß ich nicht mit eigenen Händen Hunderten meiner Leute das Brot zuteilen? Geh in die große Halle und sieh dir die Teppiche an, die ich in jahrelanger Arbeit mit meinen Mägden geschaffen und an denen wir noch zwanzig Jahre zu arbeiten haben, daß sie meinen Kindeskindern einst Zeugnis ablegen von den großen Taten ihrer Vorväter. Geh in meine Vorratskammer und sieh die Salben und Heiltränke, die ich mit eigenen Händen bereitete, um meine Leute und die Kranken der Umgebung zu heilen. Es würde schlimm stehen, wenn die Männer heim kämen I