28 Italien oder Spanien, mehr in den großen Städten, als am flachen Land, mehr unter den wohlhabenden Klassen, als unter den Besitzlosen und ist ein untrügliches Zeichen die ser fortschreitenden modernen Zivilisation.* Aber nicht nur und nicht hauptsächlich auf dem Gebiet der Hausarbeit haben die Veränderungen die Frauen be rührt und ihr altes Arbeitsfeld eingeschränkt. Es gab eine Zeit, da die Frau ihre Kinder unter den Augen behielt, bis sie erwachsen waren. Ihrer Erziehung, ihrem Einfluß dankten sie ihr Wesen. Von dem ersten Augenblick, da das Kind an ihrer Brust lag, bis die Tochter das Haus * Es ist tatsächlich manchmal etwas Rührendes in der Haltung manches alten Mütterchens, das da oder dort, inmitten der modernen Zivilisation lebend, ganz verwirrt wird durch den Wandel in den Pflichten und Auf gaben der Frau. In den Augen einer Altersgenossin, die gleich ihr eine vergangene Kulturepoche überlebt hat, sucht sie die Bestätigung ihrer Lebensanschauung. Ein beunruhigender Zweifel hat sogar ihre Seele beschlichen. „Ich,“ sagt sie, „habe immer selbst die Schinken ge räuchert und die Socken gestrickt und die Wäsche in der Hand genäht; wie wir junge Mädchen waren, haben wir das alles gemacht; aber meine Töchter wollen es nicht mehr tun!“ Und die andere antwortet: „Ja frei lich, wir haben das alles gemacht und so gehört sich’s auch; aber es kommt so hoch, und die fertigen Dinge sind so viel billiger.“ Und die Alten schütteln die Köpfe, und die Welt scheint ihnen seltsam aus den Angeln, wenn Pflicht nicht mehr Pflicht ist. Solche Frauen sind wie eine gute alte Entenmutter, die ihre Entlein durch Jahre immer in denselben Teich geführt hat und, wenn nun dieser Teich abgeleitet und der eingetrocknete Schlick zurückgeblieben ist, dennoch darauf besteht, ihre Jungen dorthin zu bringen und nun flügelschlagend und ängstlich schnatternd an seinem Rand hin und her watschelt und sie zu bewegen sucht, hineinzugehen. Aber die Entlein mit ihrem jungen frischen Instinkt hören in der Ferne das köstliche Rieseln des neuen Wehrs, in dem hoch oben das Wasser aufgefangen worden ist, und sie riechen die Vogelmiere und das hohe Gras, das an seinem Rande wächst, und wollen nichts davon wissen, sich an dem vertrockneten Schlamm zu ergötzen oder Würmer zu suchen, wo keine sind. Und sie lassen ihre alte Mutter an ihrem Teich quaken und machen sich auf, neue Futterplätze zu suchen — vielleicht verirren sie sich? — vielleicht finden sie welche? Der alten Mutter aber möchte man sagen: „Gute, alte Entenmutter, siehst du nicht, daß die Welt sich verändert hat? Du kannst das Wasser nicht in den alten Teich zurück bringen! Vielleicht war es besser und schöner wie es da war; aber es ist weg auf immer, und wenn du und die Deinen noch schwimmen wollen, muß es in anderem Wasser sein. Neue Zeit bringt neue Pflichten.“