30 zutage darauf bestehen würde, ihr Kind ganz allein zu er ziehen, würde es in neun Fällen von zehn unverbesserlich schädigen, weil sie dazu unfähig ist. Aber womöglich noch tiefer und einschneidender haben die Veränderungen der modernen Zivilisation unser altes Leistungsgebiet in einer andern Richtung ergriffen — in jenem Teil menschlichen Schaffens, das unser besonderes und ureigenstes ist und uns niemals ganz genommen wer den kann. Hier ist die Einschränkung größer als in irgend einer andern Richtung und berührt uns als Frauen am wesentlichsten. Es gab eine Zeit — und heute noch ist es so bei allen primitiven und wilden Völkern —, da die erste und wichtigste Pflicht der Frauen gegenüber der Gesellschaft die war, zu gebären, viel zu gebären, unablässig zu ge bären! Von der hinreichenden und wiederholten Erfüllung dieser passiven Leistung und von dem erfolgreichen Näh ren und Aufziehen der Jungen an der Mutterbrust hing nicht nur die Wohlfahrt, sondern oft auch die Existenz des Stammes und Volkes ab. Wo, wie es fast bei allen bar barischen Völkern der Fall ist, die Kindersterblichkeit eine hohe ist, wo die fortwährenden Unfälle durch Krieg, Jagd und Gewaltakte die Zahl der erwachsenen Männer vermindert, wo die wundärztliche Kunst noch so in den Kinderschuhen steckt, daß die meisten Wunden todbrin gend werden, wo vor allem immer wiederkehrende Pest und unvorhergesehene Hungersnot, vor der es kein Ent rinnen gab, das Volk dezimierten, war es von der höchsten Wichtigkeit, daß die Frau ihre schöpferische Kraft bis zur äußersten Grenze anstrengte, wenn das Geschlecht nicht auf einmal hinschwinden und aussterben sollte. „Möge der Leib deines Weibes nie aufhören zu gebären“, ist noch heute der höchste Ausdruck des Wohlwollens seitens eines afrikanischen Häuptlings gegenüber dem scheidenden Gast. Denn nicht nur das Wohl und die Stärke ihres Volkes als