32 oder wie der „schwarze Tod“ von 1349, der in England allein mehr als die Hälfte der Inselbewohner dahinraffte, nur extreme Formen der chronischen Menschenvernichtung durch Infektionskrankheiten; dazu waren die Kriege nicht nur weit häufiger, sondern zerstörten infolge der Hungers nöte, die sie fast unfehlbar nach sich zogen, noch viel mehr Menschenleben, als in unsern Tagen, und gewaltsame Tötungen sowohl seitens des Staates, als infolge persön licher Feindseligkeiten waren etwas Alltägliches in allen Ländern. Unter diesen Verhältnissen würde die Enthal tung der Frauen von unablässigem Kindergebären fast zu denselben ernsten Folgen der Verminderung oder selbst des Aussterbens ihres Volkes geführt haben; wie in der Pe riode der Wildheit. Auch hing der Bestand der Zivilisation dieser Zeit von der Hervorbringung einer immensen Zahl von Individuen ab, die sich als Lasttiere mit ihrer rohen Muskelkraft in den Dienst der Landarbeit und des Gewerbes stellten und ohne die jene Zwischenstufen der Zivilisation bei dem Mangel von Maschinen unmöglich gewesen wären. Zwanzig Männer mußten geboren, an der Mutterbrust ge nährt und aufgezogen werden, um jene grobe Arbeit zu verrichten, die heute ein kleiner, gut gebauter Dampfkrahn leistet, und der Bedarf an großen Massen menschlicher Geschöpfe als bloße Kraftreservoire zur Verrichtung der einfachsten Prozesse war eine Notwendigkeit. So stark war tatsächlich das Bewußtsein der gesellschaftlichen Not wendigkeit fortwährenden Gebärens durch die Frau, daß Luther noch in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts schrieb: „Wenn eine Frau erschöpft wird und endlich stirbt, weil sie Kinder gebärt, so tut es nichts; laßt sie nur am Gebären sterben, denn dazu ist sie da,“ und er gab damit zweifellos, wenn auch in einer etwas ungeschliffenen und brutalen Form, einer Anschauung Ausdruck, die von der Mehrzahl seiner Zeitgenossen, Männern wie Frauen, geteilt wurde.