3 : 35 und aufzuziehen imstande sind, ginge der Gefahr des Ruins entgegen. Für die moderne Frau lautet das Gebot nicht mehr einfach: „Du sollst Kinder gebären“, sondern vielmehr: „Du sollst nicht mehr Kinder gebären, als du ordentlich erhalten und erziehen kannst“. Die Frau, die heute mit zwölf Kindern vor dem Tor des Werkhauses oder vor der Ärmenbehörde erschiene und für sich und die Kinder anständigen Unterhalt fordern würde als Entgelt ihrer Leistung, die Kinder zur Welt gebracht zu haben, würde kaum viel Gehör finden. Und der moderne Mann, den man heute an seinem Hochzeitstag den guten Wunsch von ehedem darbringen würde, er möge Vater von zwan zig Söhnen und zwanzig Töchtern werden, würde dies eher als Fluch, denn als Segensspruch betrachten. Es ist sicher, daß die Zeit herannaht, da Kindergebären nicht mehr als eine Leistung an sich angesehen wird, die unter allen Be dingungen für die Gesellschaft von Vorteü ist, sondern vielmehr als ein hohes Privileg, das nur jenen zukommt, die ihre Fähigkeit beweisen, ihre Sprößlinge rechtschaffen zu erziehen und zu versorgen.* * Die Verschiedenheit zwischen den primitiven und modernen Anschau ungen über diesen Gegenstand wird treffend und eigenartig durch fol gende zwei Vorfälle beleuchtet. Einst begegnete mir ein Bantu-Weib, das besser erhalten, weniger abgearbeitet und glücklicher als die Mehrzahl ihrer Genossinnen aussah. Auf meine Erkundigung erfuhr ich, daß sie zwei Brüder habe, die impotent wären, und deshalb hatte sie selbst nicht geheiratet, aber vierzehn Kinder, die sie mit verschiedenen Männern ge zeugt, hatte sie alle, so wie sie erwachsen waren, den Brüdern geschenkt. „Sie haben mich lieb, weil ich ihnen soviel Kinder geschenkt habe; darum brauche ich nicht zu arbeiten wie die andern Weiber, und die Brüder geben mir reichlich Nahrung und Milch,“ erzählte sie selbstzufrie den, „und unsere Familie wird nicht aussterben.“ Diese Person, deren Lebensführung vom modernen Standpunkt betrachtet, so entschieden antisozial war, wurde offenbar als höchst wertvoll für ihre Familie und Gesellschaft bloß um ihrer Fruchtbarkeit willen angesehen. — Als Gegen satz hierzu: Vor einigen Wochen stand in den Londoner Blättern von einem Frauenzimmer, das in Eastend wegen irgendeines Vergehens auf gegriffen wurde und vor Gericht schluchzend vorbrachte, daß sie Mutter von zwanzig Kindern sei. „Schämen Sie sich nicht,“ rief der Richter,