37 Leistung voll und ganz befriedige, zu einer veralteten und vollständigen Unwahrheit geworden.* Wenn wir die Dinge rund um uns her mit der größten Unparteilichkeit betrachten, so finden wir, daß das ganze Gebiet ehemaliger und traditioneller Frauenarbeit um volle drei Viertel seines Umfanges für immer zusammengeschrumpft ist, und daß das rest liche Viertel dahin neigt, sich noch mehr ein zuengen. Diese große, so oft völlig übersehene Tatsache ist es, die als treibende Kraft der mächtigen, rastlosen „Frauen bewegung“, die unsere Zeit kennzeichnet, zugrunde liegt. Diese Tatsache ist es, die, ob nun klar und verstandes mäßig erfaßt, oder, wie es viel öfter der Fall, nur unklar und schmerzlich gefühlt, in den Herzen der tüchtig sten Frauen des modernen Europa den leidenschaftlichen, manchmal unlogisch scheinenden Ruf nach neuen Arbeits formen und neuen Tätigkeitsgebieten auslöst. * Im Hinblick auf die modernen Staaten finden wir, daß jene, deren Geburtsraten am höchsten, keineswegs die glücklichsten, aufgeklärtesten oder mächtigsten sind; ja es zeigt sich, daß selbst die Bevöl kerungszahl nicht immer im Verhältnis zu den Geburten wächst. Frankreich, das in vielen Beziehungen in der Zivilisation vor angeht, hat eine der niedrigsten Durchschnitts-Geburtsraten in Europa, und bei der freien und aufgeklärten Völkerschaft der Schweiz und Skan dinaviens ist die Geburtenziffer auffallend niedrig, während Irland, eines der unglücklichsten und schwächsten Länder Europas, lange Zeit eine der höchsten Geburtsraten hatte, ohne daß die Bevölkerung oder ihre Macht im Verhältnis zugenommen hätte. In bezug auf die verschiedenen Klassen derselben Gesellschaft, sind die Erschei nungen dieselben. Die Geburtenziffer ist im Verhältnis zur Zahl der Frauen unter den niedrigsten und ungebildetsten Volksklassen in den Armenvierteln unserer Großstädte weit höher, als bei den Frauen der oberen gebildeten Stände, hauptsächlich, weil das Heiratsalter mit der wachsenden Kultur und Bildung der Individuen zu steigen pflegt, aber auch durch die Regulierung der Geburten in der Ehe. Dennoch ist die Zahl der herangewachsenen Kinder in den gebildeten Ständen wahr scheinlich nicht geringer, vielleicht sogar höher als in den unteren Klassen, infolge der hohen Kindersterblichkeit dort, wo die Geburten zahl übergroß ist.