43 oder Nachteil, der Mann muß im allgemeinen entweder Verstand oder Muskeln anstrengen oder aber sterben. Die Stellung der unbeschäftigten Frau im modernen Le ben ist eine weit andere. Für sie ist die Wahl, nachdem die alten Felder häuslicher Arbeit ihr entglitten sind, in der Regel oder oftmals nicht die zwischen neuen Arbeitsfel dern oder dem Tod, sondern eine in ihrer weittragenden Bedeutung für die Menschheit als Ganzes noch viel ern stere: es ist die Wahl, neue Arbeitsformen zu finden oder aber langsam hinabzusinken in einen Zustand des mehr oder weniger vollständigen passiven Geschlechtspara sitismus.* Wieder und wieder hat sich in der Geschichte * Es ist von hohem Interesse, die verschiedenen Phänomene von Ge schlechtsparasitismus in der Tierwelt zu betrachten, sowohl bei Männ chen als Weibchen. Obwohl in der größeren Zahl von Spezies in der Tierwelt die Weibchen größer und stärker als die Männchen sind (z. B. unter den Raubvögeln, bei Adlern, Falken, Geiern etc.), erscheint der Geschlechtsparasitismus bei beiden Geschlechtern. Bei gewissen See tieren beispielsweise tragen die Weibchen in den Falten ihrer Um hüllung drei oder vier winzige, ganz bewegungslose Männchen, die voll ständig passiv und von ihnen abhängig sind. Unter den Termiten anderer seits ist das Weibchen so degeneriert, daß es alle Fähigkeit, sich fortzu bewegen, verloren hat, weder für seine eigene noch für die Nahrung der Jungen sorgen, sich nicht verteidigen, nicht einmal sich reinigen kann. Es ist ein bloßer unbeweglicher, ausgedehnter Eiersack ohne Intelligenz oder Aktivität und lebt mitsamt seinen Jungen nur von der Tätigkeit der Arbeiter der Gemeinschaft. Unter anderen Insekten, z. B. gewissen Zecken, herrscht ebenfalls eine Art Parasitismus der Weibchen vor. Während das Männchen ein entwickeltes, sehr lebhaftes, beflügeltes Tier chen ist, hat das Weibchen, das sich mit dem Kopf in das Fleisch leben der Tiere festheftet und deren Blut aussaugt, die Flügel und alle Beweg lichkeit verloren. Es ist zu einer bloßen aufgeblähten Blase geworden, die, sobald sie mit Eiern gefüllt ist, zerplatzt und damit seine parasitische Existenz, die kaum je Leben war, beendet. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß eben diese Degeneration und der Parasitismus der Weibchen auch der Entwicklung der Ameisen Grenzen gesetzt hat, dieser Geschöpfe, die in mancher Beziehung eine fast ebenso hohe geistige Entwicklung wie der Mensch erreicht haben und doch merkwürdig unveränderlich stationär geblieben sind. Die ganze Frage des Geschlechtsparasitismus unter den Tieren würde vielsagende, lehrreiche Schlaglichter auf menschliche So zialprobleme werfen; aber sie ist zu ausgedehnt, um hier darauf eingehen zu können.