44 der Vergangenheit, so oft eine gewisse Stufe materieller Kultur erreicht war, eine seltsame Tendenz zum Parasiten tum der Frauen gezeigt. Die sozialen Bedingungen gehen dahin, die Frauen jeder Art tätiger, bewußter, sozialer Ar beit zu berauben und sie gleich der Zecke allein auf die passive Ausübung ihrer Geschlechtsfunktionen zu be schränken. Das Resultat des Parasitismus aber war unabänderlich der Verfall der Lebenskraft und Intelligenz des weiblichen Geschlechtes, dem nach einer längeren oder kürzeren Periode auch der Verfall der männlichen Nachkommen schaft und ihrer ganzen Gesellschaftsklasse folgte. Nichtsdestoweniger haben in der Vergangenheit die Ge fahren des Geschlechtsparasitismus niemals mehr als einen kleinen Teil des weiblichen Geschlechtes bedroht, aus schließlich die Frauen irgendeiner verhältnismäßig klei nen herrschenden Rasse oder Klasse, während die Masse der Frauen doch gezwungen blieb, mannigfache Arten an strengender Tätigkeit auszuüben. In der Jetztzeit aber, unter den besonderen Umständen unserer modernen Zi vilisation ist es das erstemal, daß der Geschlechtsparasi tismus früher oder später zu einer Gefahr für die Masse der zivilisierten Frauen, vielleicht endlich für ihre Ge samtheit wird. Auf der frühesten Stufe menschlicher Entwicklung war der Geschlechtsparasitismus und die Degeneration des Wei bes keine denkbare Quelle sozialer Gefahr. Wo die Lebens bedingungen es unausweichlich machten, daß alle Arbeit in einer Gemeinschaft von den Mitgliedern dieser Gemein schaft selbst ausgeführt werden mußte ohne Hilfe von Sklaven oder Maschinen, hat immer mehr die Tendenz be standen, den Frauen eine übergroße Arbeitslast aufzubür den. Unter keinen Verhältnissen, zu keiner Zeit, nirgends in der Weltgeschichte haben die Männer irgendeiner Peri ode, irgendeiner Nation oder Klasse die leiseste Neigung