55 men können.“ UndTacitus gibt folgende Schilderung von den Frauen, die die Männer in den Krieg begleiteten: „Sie sind die trautesten Zeugen seiner Taten, die Beifallspender seiner Tapferkeit, gleich geliebt und geehrt. Die Verwun deten suchen ihre Mütter und Weiber auf; unerschrocken vor ihrem Anblick, zählen die Frauen jede ehrenvolle Wunde und saugen das hervorquellende Blut auf. Sie sind sogar kühn genug, sich unter die Kämpfenden zu mischen, um Erfrischungen auszuteilen und sie zu Taten der Tap ferkeit anzufeuern.“ Und er fügt hinzu: „Es ist eine Eigen heit der Germanen, sich mit einem Weib zu begnügen, sowie auch die Frau sich mit einem Manne begnügt, gleichwie mit einem Leben, einem Leib und einer Seele.“ Es war unabwendbar, daß durch die Söhne solcher Frauen die Söhne der parasitischen Römerinnen von der Erde hin weggefegt werden mußten, so wie die Jungen der in Gefan genschaft lebenden Kanarienvögel im Kampf mit den Jun gen der frei lebenden unterliegen. Wieder und wieder, in ermüdender Wiederholung, spielt sich dieselbe Entwicklung ab. Bei den Juden sehen wir in den Tagen der Gesundheit und des Wachstums die Frauen den Hauptteil der landwirtschaftlichen und häuslichen Ar beit leisten, stets sich mühen und sorgen, von Rahel ange fangen, der Jakob begegnete, als sie die Herde ihres Va ters tränkte, bis zu Ruth, der Ahnherrin einer Königs und Heldenreihe, die Boas im Felde beim Ährenlesen an traf; von Sarah, die für Abrahams prophetische Gäste die Kuchen knetete und buk, bis zu Miriam, der Prophetin und Sängerin und zu Deborah, die unter den Palmen wohnte und über die Kinder Israels Recht sprach, „und das Land war stille vierzig Jahre“. Überall erscheint die Frau bei den alten Juden als eine erhaltende Kraft ihres Volkes, und die jüdischen Schrif ten enthalten das vielleicht vornehmste Bild der arbeiten den Frau, das in irgendeiner Literatur zu finden ist, und