64 Weder die Sklaverei noch die große Anhäufung von Reichtümern allein könnte eine Nation durch Entnervung verderben, wenn ihre Frauen tätig, kraftvoll und arbeitsam blieben. Die Vorstellung, die wieder und wieder die aufeinander folgenden Kulturen beherrscht zu haben scheint, daß es für den Mann eine Möglichkeit gäbe, an körperlicher und geistiger Kraft zuzunehmen, während seine weibliche Ge fährtin stationär und untätig bliebe, ohne andern Anteil an der Arbeit der Gesellschaft als der passiven Erfüllung der Geschlechtsfunktionen, ist von den Tatsachen immer wider legt worden. Es endete, wie das Experiment enden würde, gute Rennpferde mit ungeübten, kurzatmigen, x-beinigen Mähren aufzüchten zu wollen. Nein, noch weit verhängnis voller 1 Denn während das weibliche Tier sein Wesen an die Nachkommenschaft einzig oder hauptsächlich durch Ver erbung im Keim überträgt und durch den Einfluß, den es während der Trächtigkeit ausübt, prägt beim Menschen die Mutter, indem sie die ganze geistige und moralische Atmo sphäre bereitet, in der das Kind die ersten Lebensjahre verbringt, ihr Wesen viel untilgbarer ihrem Sprößling ein. Nur tüchtige und arbeitsame Frauen können auf die Dauer tüchtige, arbeitsame Männer gebären; nur kraftlose, un tätige Männer können schließlich von kraftlosen, untätigen Frauen geboren werden. Der frisierte, parfümierte, schlaffe Zärtling, mit der faden Sprechweise und der feinen Klei dung, dem die Seltenheit und Mannigfaltigkeit der Spei sen zum Studium wird und dessen schwerste Arbeit die Suche nach Vergnügungen ist, für den selbst die Jagd, die seinen Vorvätern eine stärkende, männliche Arbeit von wesentlicher Bedeutung für das Leben ihres Volkes war, zur luxuriösen, possenhaften Spielerei wird — diese Art Mann, wo immer man ihr begegnet, ob im späten römi schen Kaisertum, ob im heutigen türkischen Harem oder in unserer nördlichen Zivilisation, ist nur dadurch möglich