71 lieh aber wird der geistige, moralische und selbst phy sische Effekt für das Individuum wie für die Rasse so ver schieden sein, wie Aufstieg und Niedergang, wie Leben und Tod. Der zunehmende Wohlstand des Mannes hebt und fördert die Frau, über die er ihn ausgießt, ebensowenig, als der zunehmende Reichtum seiner Herrin einen Pudel geistig oder körperlich fördert, weil er nun ein Daunen statt eines Federkissens oder Hühnerbraten statt Rind fleisch erhält. Je wohlhabender die Männer einer Gesell schaft werden, um so größer wird die Versuchung sowohl für sie selbst, als für die von ihnen abhängigen Frauen, dem weiblichen Parasitismus zuzusteuem. Wenn die Verbesserung der Lage der männlichen Ar beiter zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Güter un ter den Männern führte, so würde dies tatsächlich ein wenig die Tendenz zum Parasitismus unter den Frauen der wohlhabendsten Klassen vermindern; aber es würde an dererseits genau dieselben Vorbedingungen des Parasitis mus für Millionen von Frauen zeitigen, die heute ein ge sundes und tätiges Leben führen.* Daß die zwei Probleme nicht gleichbedeutend sind, be weist, wenn ein Beweis überhaupt nötig ist, die Tatsache, daß jene Männer, die am eifrigsten die Umwandlung der Lage der arbeitenden Männer anstreben, oft gerade die * Die Tatsache kann nicht oft genug betont werden, daß der Parasitis mus keineswegs von einem bestimmten Grad des Reichtums abhängig ist. Irgendeine Summe, die ein Individuum soweit befriedigt, daß es sein Leben ohne jede Arbeit hinbringen kann, vermag dasselbe zu vollstän digem Parasitismus zu führen, während große Reichtümer (so ungesund ihr Einfluß gewöhnlich zu sein pflegt) auf manche seltene und edle Na turen kaum irgendeine entnervende oder verderbliche Wirkung ausüben. Ein unterhaltendes Beispiel, wie verschieden der Grad des Reichtums sein kann, bei dem verschiedene Frauen seinem Einfluß unterliegen, habe ich selbst erlebt. Eine Frau, Witwe und Tochter kleiner Beamter, kam einmal zu einer amerikanischen Millionärin. Diese bemerkte, daß es bei ihrem Gast sowohl mit Nahrung, als Kleidung recht knapp bestellt war und schenkte der Frau eine Hammelkeule und zwei gute Kleider. Die aber fing nun zu jammern an, daß sie niemanden habe, um die