73 ten Gebieten des Textilgewerbes und des Handwerks, die zu allen Zeiten der Vergangenheit der Frau gehörten. Die offenkundige und unleugbare Tatsache, daß, wo die Arbeiterbewegung gedeiht, auch die Frauenbewegung an wächst, kommt nicht daher, daß die beiden identisch sind, sondern daher, daß dieselben heilsamen und kräftigenden Zustände innerhalb einer Rasse oder Gesellschaft beiden den Boden bereiten. Wie zwei Ströme, die einer Quelle entfließen und deren Lauf lange Strecken hindurch parallel geht, dennoch ganz getrennt bleiben können, der eine seinen Weg zum Meere findet, während der andere sich in Sand verläuft oder versumpft, so können auch unsere moderne Arbeiter- und Frauenbewegung, obwohl sie denselben materiellen Be dingungen unserer Kultur entspringen und obwohl sich zahllose und nahe Analogien in ihrer Entwicklung ergeben, doch vollständig voneinander getrennt bleiben. Durch beide Bewegungen muß die Zukunft des Menschenge schlechts eine tiefgehende Veränderung erfahren, zum Guten oder zum Bösen; beide berühren die Menschheit in vitalster Weise; aber beide werden unabhängig voneinan der auf ihrem eigenen Boden ausgefochten werden müs sen, und nur durch entschlossene, bewußte und beharr liche Tätigkeit von seiten der Frauen wird die Lösung ihrer eigenen Arbeitsfragen gleichmäßig mit der der Män ner fortschreiten. Wie verschieden, trotz der Ähnlichkeit, die grundlegen den Motive der beiden Bewegungen sind, spricht sich am deutlichsten in der Tatsache aus, daß, während die Be rgung der Männer hauptsächlich unter der armen oder handarbeitenden Klasse entstand, wo der materielle Druck des Lebens am schwersten lastet und wo die Gefahr phy sischen Leidens und selbst der Vernichtung durch diesen Druck am meisten empfunden wird — die Frauenbewe gung ihren Ursprung fast ausschließlich unter den wohl-