76 Dachstube zu vertauschen, um in Einsamkeit und unter jenem schweren Druck, den jeder empfindet, der gegen die Anschauungen seiner Umgebung anzukämpfen hat, sich die Wege und nötigen Kenntnisse zu neuen Arbeits feldern sucht. Es ist dieses tiefe Bewußtsein, welches die arme, kleine, halb verhungerte Studentin geradezu hero isch erscheinen läßt, wenn sie, dem gigantischen Vor sprung trotzend, sich neben dem Manne auf den Feldern moderner, geistiger Arbeit behaupten will, und die, ob es nun gelingt oder fehlschlägt, einen Meilenstein auf der Straße der menschlichen Entwicklung bedeutet. Es ist dies Bewußtsein großer unpersönlicher Ziele, die es zu errei chen gilt und zu deren Erlangung jede einzelne ihr wenn auch noch so kleines Teil beizutragen hat, was der Hand lungsweise jeder Frau, die auch nur der Tyrannei der sie im Kampfe nach neuen Anpassungsformen hindernden Mode in Bekleidung, Betragen oder Sitte widerstrebt, aus dem Bereich des Nichtigen zu Wichtigkeit erhebt. Es ist dieses Bewußtsein, welches dem Streben jeder ein zelnen nach physischer und geistiger Selbsterziehung und Entwicklung eine fast ehrfurchtgebietende Bedeutung ver leiht ; es ist dies Bewußtsein, das mit hohem Enthusiasmus das Herz des jungen Mädchens erfüllt, wenn es vielleicht auf einer entlegenen Farm Afrikas oder Amerikas bis tief in die Nacht über seine Bücher gebückt sitzt mit jener Leidenschaft und Inbrunst, mit der einst die ersten Chri sten sich über die Seiten der Schrift beugten, in dem Ge fühl sich durch jede Erweiterung seines Wissens für irgend welche unbekannten kommenden Pflichten gegenüber der Welt vorzubereiten. Es ist dieses Bewußtsein großer, un persönlicher Ziele, denen uns ihre Handlungsweise, wenn auch langsam und unmerklich ein klein wenig näher bringt, das so mancher Frau die Kraft des Verzichtens gibt, wenn sie jede niedere Art von Geschlechtsverbindung selbst eine mit allen äußeren Ehren eines legalen Bun-