Inflation und Geldvermehrung. 11 kehr entstandene Kaufkraft an sich zu ziehen und diese für seine Zahlungen zu verausgaben. Die Wege waren: Ausschreibung von Steuern, wodurch bestimmte Kaufkraftteile der Einzelwirtschaften endgültig auf den Steuerfiskus übertragen werden, oder: die Auf legung einer Anleihe, wodurch sich das Reich die von den Besitzern nicht verwendbare Kaufkraft gegen Gewährung von Zinsen auf lange — im Kriege tatsächlich auf nur einige — Zeit leiht. Bei Kriegsausbruch waren jedoch beide Wege gleichermaßen nicht sofort gangbar. Die Ausschreibung von neuen Steuern erforderte Zeit; auch ließen sich in jenem Augenblick die Steuereingänge nicht willkürlich steigern. Die Auflegung von Anleihen versprach nur Erfolg, wenn die Anleihezeichner kein Mißtrauen gegen den Schuld ner oder seine Zahlungsfähigkeit hatten. Der Ausbruch eines Krieges war in dieser Beziehung naturgemäß die denkbar ungün stigste Zeit und Gelegenheit. So blieb praktisch der Reichsfinanzverwaltung nichts anderes übrig, als zu handeln, wie sie gehandelt hat: zunächst den Kredit bei der Reichsbank in Anspruch zu nehmen und mit den erhaltenen Noten und Girogeldern den dringendsten Verpflichtungen nachzu kommen. Die Schaffung von zusätzlicher Kaufkraft bei Ausbruch des Krieges hat sich somit nicht vermeiden lassen 1 ). Wenn allerdings das Reich damals und in der Folgezeit nur auf Steuereingänge und Anleiheerlöse angewiesen gewesen wäre, dann hätten seine Beauftragten sicherlich nicht so freigebig mit der Ausgabe von Mitteln Vorgehen können. Die Folge wäre gewesen, daß dann auch die Preise nicht so maßlos gesteigert worden wären. Eine andere Frage bleibt freilich, ob die Heeresverwaltung unter diesen Umständen genügend und schnell genug jene Güter erhalten hätte, die sie zur Durchführung der Kriegshandlungen benötigte. Endlich ist nicht zu übersehen, daß eine sofortige Herausholung freier Kaufkraft aus der Volkswirtschaft in solch großen Mengen, wie es bei Kriegsausbruch erforderlich war, leicht, zu einer Beeinträchti gung in der Herstellung von Gütern führen konnte, wodurch auf den einzelnen Warenmärkten, je nach den besonderen Kapitalver hältnissen in den betreffenden Handels- und Industriezweigen, das Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nach den Gütern noch verstärkt worden wäre. h Liefmann a. a. O. S. 32: „Man war sieh nicht klar, wie diese plötzliche Geld Vermehrung unabhängig von der Deckungsquote preissteigernd wirken mußte.“