Inflation und Geldvermehrung, 13 wohl bei dem Lawschen Papiergeld (1716), das der Staat ohne Deckung an Stelle des „unbeständigen“ Silbergeldes ausgeben sollte, als auch bei den französischen Assignaten (1789), die auf Grund der eingezogenen und zum Verkauf gestellten Kirchengüter schließlich in Höhe von 45 * 1 / 2 Milliarden Livres — nach anderen An gaben in Höhe von 30 Milliarden Livres — ausgegeben worden sind, offenbarte sich die neugeschaffene Kaufkraft in dem für jeder mann sichtbaren Papiergeld, das in den Händen der Besitzer jene fürchterliche Entwertung durchmachen sollte, die wir erst in den heutigen Tagen richtig zu würdigen lernen. Im Zusammenhang mit einem Kriegsfall — und daher als Vergleich mit den heutigen Verhältnissen — ist das Beispiel des amerikanischen Revolutions krieges (1776—1781) besonders interessant und lehrreich. Der da malige Kongreß konnte wegen des Widerstandes der Einzelstaaten weder Steuern ausschreiben, noch Anleihen ausgeben. Er sah sich daher gezwungen, die Kosten des Krieges zunächst mit der Ausgabe von Papiergeld zu decken. Die Einzelstaaten folgten die sem Beispiel. In fünf Jahren wurden bei einer Bevölkerung von nur vier Millionen Seelen nicht weniger als 450 Mill. Doll. Noten aus gegeben, was einem Umlauf von 500 M. pro Kopf der Bevölkerung (in Deutschland Ende 1913: 30 M., 30. September 1918: 300 M.) entsprach. Da das Kreditwesen zu jener Zeit noch unentwickelt war, so dürfte der gesamte Umfang der von den Regierungen da mals neugeschaffenen Kaufkraft in dieser Zunahme des Noten umlaufs zum Ausdruck gekommen sein. Da ferner die Gütererzeu gung nicht im entferntesten dieser Vermehrung des -Geldes gefolgt war, so war das Beispiel einer mächtigen Inflation in der gewalt samen Ausdehnung des Notenumlaufs für jedermann ersichtlich gegeben. Es dauerte auch nicht lange, bis eine umfangreiche Preis steigerung auf dem Gütermarkt, eine scharfe Entwertung des Papiergeldes eintrat. Schon um das Jahr 1781 war die ganze Masse des ausgegebenen Papiergeldes so gut wie wertlos 1 ). i) E. Schultze, Die Kriegssteuem der Vereinigten Staaten im Bürgerkrieg und im jetzigen Kriege. Zeitschrift für Sozialwissenschaft 1918, S. 349. Der Verfasser berichtet weiter, daß ungeachtet dieser Entwertung weitere Mengen von Noten in Umlauf gesetzt wurden, denen Zwangskurs beigelegt wurde. Der Wert der Noten wurde auf 1 : 175 festgesetzt. Er sank jedoch bald bis auf 1 : 300. Es entbehrt nicht eines gewissen Reizes, an der angeführten Stelle weiter zu lesen, daß in die damals zustande gekommene neue Verfassung der Vereinigten Staaten eine Bestimmung aufgenommen wurde, wonach während der nächsten 60 Jahre jede Ausgabe von Noten unterbleiben sollte.