Inflation und Geldvermehrung. 17 Für die Preisgestaltung ist aber der Geschäftsabschluß von ent scheidender Bedeutung und nicht der Augenblick der Bezahlung. Es erscheint deshalb zweckmäßig, den Begriff der Inflation — wie es hier geschehen ist — ganz von dem Wort Geld zu lösen und darunter die künstlich aufgeblähte Kaufkraft der Einzelwirtschaften bei nicht gleichzeitiger Vermehrung der von dieser Kaufkraft zu erfassenden Güter zu begreifen 1 ). *) Bendixen, Fr.: Das Inflationsproblem, Stuttgart 1917, versteht unter Inflation eine übermäßige Geldschöpfung (S. 13), wobei er in den Begriff Geld auch das Giralgeld einbezieht, ja schließlich alles, was als Geld gilt. Die Geld schöpfung ist nach B. fehlerhaft, wenn eine „Emission von Zahlungsmitteln erfolgt, ohne daß auf dem Markte eine Warenvermehrung stattfindet“ (S. 14). Auch B. betont, daß es bei der übermäßigen Geldschöpfung nebensächlich sei, aus welchem Stoffe die neuen Geldzeichen bestehen (S. 12). Nachträglich finde ich noch eine Stelle seines Buches, die etwas anders lautet. Auf S. 70 heißt es: „Es kommt nicht auf den technischen Vorgang der Schaffung von staatlichen Geldzeichen an, sondern auf die Bildung neuer Kauf kraft . ..“ und „mit dem neugeschaffenen Gelde schafft man neue Kaufkraft, die mit der schon vorhandenen in Wettbewerb tritt ..„Man sieht also, wo das Wesen der Sache liegt ...“ B. verwendet also ebenfalls den Begriff: Kauf kraft, freilich noch nicht ganz in dem Sinne, wie er von mir im Text gebraucht wird. Es ist sicher richtig, wenn man darauf hinweist, daß bei der Betätigung der Kaufkraft durch die Einzelwirtschaft, bei der Durchführung der Kaufhand lung immer Geld, sei es Bargeld, Kreditgeld oder sonst irgend etwas anders, in die Erscheinung tritt. Also könnte man für diese Kaufkraft ebenso gut Geld sagen, was B. auch tut; er faßt also den Begriff Geld im weitesten Sinne auf. Trotz dem möchte ich dem Worte Kaufkraft den Vorzug geben. Wenn man vom Sprachgebrauch ausgeht, dann stößt man nicht nur allgemein auf den engeren Begriff des Geldes, sondern auch auf die im Text angedeutete Vorstellung, als ob irgendeine Menge des Geldes mechanisch oder selbsttätig auf die Preise ein wirke. In Wirklichkeit wirkt nur die Menge Geld auf die Preise ein, die beim Kaufen nötig ist, und dieses Kaufen ist abhängig von der Kaufkraft der Einzel wirtschaften, die sich auf das Einkommen und Vermögen gründet, und dem Kauf willen, der den einzelnen Waren in ganz verschiedener Weise gegenüber treten kann. Ich glaube daher, daß es der Verdeutlichung dient, wenn man an dem Begriff Kaufkraft in dem im Text umschriebenen Sinne festhält. Auch Liefmann, a. a. O. S. 60 u. f„ wendet sich gegen die Feststellung; daß das Geld oder die Geldvermehrung auf die Preise einwirke. „Nicht das Geld, sondern die Einkommen kaufen die Güter“ lautet es an vielen Stellen seines temperamentvoll geschriebenen Buches. Wenn Liefmann meint, daß vor ihm unter Geld nur die realen Zahlungsmittel, die Geldzeichen, verstanden und deshalb die Beziehungen zu den Preisen nicht richtig erkannt worden sind, so wird dieses Urteil in der Unbedingtheit wohl nicht zutreffen. Nichtsdesto weniger sehe ich in der Betonung, daß die Einkommen die Güter kaufen, eine Ver besserung. Wie bei B endixen im vorhergehenden Abschnitt ausgeführt, gehe ich noch weiter, indem ich mit Dalberg auch das Vermögen heranziehe und von einer auf Einkommen und Vermögen beruhenden Kaufkraft der Einzelwirtschaften spreche. Auf S. 77 hält Liefmann dies für zulässig, ja erst nach seiner Wirt- Prion, Inflation und Geldentwertung. 2