18 Die Finanzwirtschaft während des Krieges usw. Dann kann auch die — vielleicht nicht immer beabsichtigte — schiefe Vorstellung nicht aufkommen, als ob irgendeine Menge Geldes (im engeren, weiteren und weitesten Sinne) mechanisch auf die Preisgestaltung einwirke. Mit der Gleichsetzung von Inflation und aufgeblähter Kaufkraft der Einzelwirtschaften wird verdeut licht, daß die Einwirkung auf die Preise von dem Subjekt des Käu fers und Verkäufers, über diese Personen und durch diese Personen erfolgt. Deren Fähigkeit, zu kaufen und zu verkaufen, hat in der deutschen Kriegswirtschaft eine eigentümliche Ausbildung erfahren, nämlich in der Richtung, daß diese Kauffähigkeit eine außer ordentliche Steigerung erfahren hat, daß die Kaufkraft zahlreicher Einzelwirtschaften gegenüber den zu kaufenden Gütern aufgebläht worden ist. Ob aber von dieser Kauffähigkeit und Kaufkraft wirk lich Gebrauch gemacht wird, hängt nicht allein von der Menge Geldes ab, über die die Wirtschaften verfügen, sondern auch von dem Willen der die Wirtschaft leitenden Personen, diese gehobene Fähigkeit, zum Kaufen, auch wirklich im gegebenen Augenblick zum Kaufen zu verwenden. Ob und wie die Kaufkraft verwendet wird, ist aber — wie in der wissenschaftlichen Literatur stets betont -wird — in erster Linie entscheidend für die Preisgestaltung. Davon ist in den folgenden Abschnitten noch die Rede. Aus den dortigen Ausfüh rungen wird zugleich hervorgehen, in welchem Maße die Scheidung zwischen Einkommen und Vermögen (der Grundlage der Kauf kraft), zwischen Bargeld, Kredit und Kapitalanlage, die im Frieden ein Hin und Her in engen Grenzen hielt, während des Krieges fast vollkommen verwischt worden ist. Wenn man die Vorgänge so ansieht, dann verliert auch die Gegenüberstellung der zahlenmäßigen Steigerung des Kotenumlaufs und der Preise jegliche Bedeutung. Denn erstlich ist der Umlauf an Papiergeld von allerhand Zufälligkeiten abhängig, die man zwar Schaftstheorie überhaupt für möglich, weil in seinem Sinne Kapital und Ver mögen Geldrechnungsbegriffe darstellen. Endlich finde ich auch bei Liefmann an einigen wenigen Stellen das Wort Kaufkraft; so auf S. 72: der Staat, der Papiergeld ausgibt, schafft sich eine künstliche Kaufkraft ... S. 90: zusätzliche, nicht aus dem regulären Tauschverkehr stammende Kaufkraft ... S. 96: Nur auf die künstliche Kauf kraft kommt es hinsichtlich des Einflusses auf die Preise an . . . Und S. 72: Hier auf wirtschaftende Subjekte bezogen, ist dieser Ausdruck (nämlich: Kauf kraft), den man bisher nur auf Objekte, bzw. sogar auf den eigentlichen ab strakten Geldbegriff anwendete, unbedenklich... M. E. ist er aus den angeführten Gründen der allein zutreffende.