22 Die Finanzwirtschaft während des Krieges usw. anleihen zu fördern bestrebt war und gleichzeitig andere Kapital sucher vom Kapitalmarkt fernzuhalten versuchte. Eine Reihe besonderer Verordnungen und Maßnahmen diente diesem Zwecke. (Abkommen über Unterlassung von Neugründungen und Kapital erhöhungen, später Genehmigungszwang für Gründungen und Kapitalerhöhungen über 300 000 M., Verordnung über die Ausgabe von Teilschuldverschreibungen usw.) Wie stellt sich nun in Wirklich keit die Kriegsanleihe zur Inflation und Preisbildung ? Zunächst ist folgendes zu beachten. Grundsätzlich bedeutet die Zeichnung auf die Kriegsanleihe die Übertragung eines be stimmten Teiles der Kaufkraft des Anleihezeichners auf das Reich. Derjenige, der die Anleihe zeichnet, den Kaufpreis bezahlt, begibt sich seiner Kaufkraft in Höhe des Zeichnungsbetrages zugunsten des Reiches, das Schuldner des Anleiheerwerbers wird und verspricht, den Betrag später einmal zurückzuzahlen. Dieser Teil der Kauf kraft der Einzelwirtschaft hat sich in einen Rentenanspruch an das Reich verwandelt, d. h. gegen die Hingabe der Kapitalsumme auf den Empfang einer jährlichen Zinszahlung verringert. Die Kaufkraft ist gleichsam für den ehemaligen Besitzer versteinert; an die Stelle des erhaltenen Zahlungsmittels, des Geldes, ist ein Rentenanspruch, eine Kapitalanlage getreten, deren Flüssig machung grundsätzlich nur dadurch möglich ist, daß beim Verkauf des Kapitalstückes ein anderer Kaufkraft-(Geld-)besitzer auf tritt und die Anleihe erwirbt, also dieser seine in Geld vorhandene Kaufkraft auf den Verkäufer der Anleihe überträgt. Der Verkauf der Anleihen zur Wiederflüssigmachung der eigentlich endgültig fortgegebenen Kaufkraft (die Bedeutung der Börse) bedeutet also im ganzen keine Vermehrung oder Verminderung der Kaufkraft menge in der Volkswirtschaft; es tritt beim Verkauf der Anleihe nur eine Verschiebung innerhalb der der Volkswirtschaft an- gehörigen Einzelwirtschaften ein, die ihre Kaufkraft durch das Mittel des Geldes austauschen. Sind kauflustige Geldkapitalbesitzer nicht vorhanden, dann ist die Anleihe, die Kapitalanlage eben un verkäuflich. In gewöhnlichen (Eriedens-)Zeiten drückte sich dieser Zustand in der jeweiligen Lage des Kapitalmarktes und in der Kursentwicklung der Wertpapiere aus. In solchem Falle mußte der Besitzer auf eine Zurückgewinnung seiner fortgegebenen Kauf kraft, mit der er zu Markt gehen könnte, um Güter zu kaufen, ver zichten, wenn er nicht Verluste am Kapital in Kauf nehmen wollte.