Inflation und Kriegsanleihe. 25 berücksichtigt), und da ferner auch die Preissteigerung bis dahin weder eine einheitliche, noch gerade übermäßig starke war, so kann es nicht überraschen, wenn angesichts der vorstehenden Zusammen stellung das Vorhandensein einer Inflation bis zu jener Zeit geleug net oder als nur sehr geringfügig hingestellt wird (z. B. Pohle, a. a. O. S. 12f.). Dennoch waren schon damals alle Merkmale einer Inflation vorhanden. In den Kriegsanleihezeichnungen, die äußerlich den vorher vom Reich in Anspruch genommenen Kredit deckten, seine Rückzahlung bei der Reichsbank ermöglichten, war nämlich nicht nur ausschließlich die durch die Reichszahlungen geschaffene Kauf kraft wieder auf das Reich übertragen worden. In den vier ersten Kriegsanleihen fanden vor allem auch diejenigen Kapitalien Unter kunft, die noch aus anderen Quellen — gewöhnlichen Ersparnissen — flössen und gewohnheitsmäßig in Wertpapieren Anlage suchten und diese jetzt in den Kriegsanleihen fanden, ferner die Kapitalien, die aus anderen Anlagen frei geworden (Lagerräumung) oder frei gemacht (ausländische Wertpapiere) worden waren. Es handelte sich also — zu einem genau nicht feststellbaren, aber recht erheb lichen Teil — um freie, bereits in der Volkswirtschaft vorhandene Kaufkraft, die jetzt durch die Zeichnung auf die Kriegsanleihen vielfach einem anderen als vorher beabsichtigten Zwecke zugeführt wurde. Ein großer Teil der vom Reich neugeschaffenen Kaufkraft in Gestalt von frei gewordenen Produktionskapitalien, Kriegs gewinnen oder sonstigen Einkommensteigerungen war hingegen der Volkswirtschaft verblieben und hatte — namentlich auch in anderen Händen als solchen, die Kriegsanleihe zeichneten — den ersten Spekulationstaumel, den Aufkauf aller möglichen Waren und damit die Steigerung der Preise begünstigt. Und selbst wenn von den bis dahin vom Reich veraus gabten 30 Milliarden Mark ein Teil auf die Kriegsanleihen zurück gezeichnet war, so konnten diese Zeichnungen Vermögensmeh rungen darstellen, die aus gestiegenen Einkommen hervorgegangen waren. Auf Grund dieser Vermögen, die jetzt die Form der Kriegs anleihe angenommen hatten (vgl. 5) blieb die erhöhte Kaufkraft bestehen. Gleichzeitig hatte aber die Verringerung des in der deut schen Volkswirtschaft verbliebenen Gütervorrats Fortschritte ge macht, so daß doch eine Aufblähung der Kaufkraft in dem hier gebrauchten Sinne, eine Inflation, eingetreten war.