26 Die Finanzwirtsohaft während des Krieges nsw. Nicht kann der Beweis für das Bestehen einer Inflation aus der Beanspruchung der Darlehnskassen erbracht werden. Der Darlehnsbestand der Darlehnskassen betrug: Ende 1914 . . 1,315 Milliarden Mark J? 1915 . . • 2,348 5? 1916 . . • 3,407 >? 1917 . . . 7,689 J J 1918 . . • 15,621 Die besonders in den letzten beiden Jahren stark ansteigenden Vorschüsse der Darlehnskassen sind lediglich ein Zeichen dafür, daß nicht genügend flüssige Geldkapitalien zur Verfügung standen, um die Nachfrage danach (in der Hauptsache von seiten der öffent lichen Körperschaften) zu befriedigen. Die Vorschüsse bedeuten nicht, daß diese flüssigen Geldkapitalien samt und sonders fehlten. Zum Teil wurden sie von ängstlichen Leuten in Bargeld thesauriert, zum Teil waren sie als Kassenbestände und Giroguthaben bei den Banken und der Reichsbank gebunden. Die Vorschüsse bei den Darlehnskassen zeigen nur den Betrag der Vermögensstücke an, die abseits der Banken lombardiert worden sind. Wie bei den Noten der Reichsbank, ebenso unzulässig ist es zu sagen, daß der Umlauf an Darlehnskassenscheinen das sichtbare Zeichen dafür sei, daß in Deutschland eine Inflation herrsche. Sogar die Auffassung ist vertreten worden, daß — wenn auch nicht der Notenumlauf der Reichsbank, so doch — zum mindestens der Umlauf an Darlehnskassenscheinen auf Inflation zurückzuführen sei 1 ). Auch diese Auffassung ist unhaltbar. Genau wie die Reichs banknoten, passen sich die Darlehnskassenscheine dem Ver- kehrsbedarf an. Ursprünglich wurden sogar die Darlehen bei den Darlehnskassen in Noten der Reichsbank ausbezahlt und die Dar lehnskassenscheine zurückbehalten. Um das Anwachsen des Notenumlaufes zu hindern, und weil der Verkehr große Mengen kleiner Scheine verschlang, ist später von diesem Verfahren ab gegangen worden. Zur Förderung des bargeldlosen Zahlungs verkehrs werden in neuerer Zeit nach Möglichkeit alle Darlehen J ) Lief mann a. a. 0. S. 155: Die Darlehnskassenscheine, eine unter allen Umständen falsche Geldschöpfung . . . Man kann zwischen den Noten der Reichsbank und dem Papiergeld der Darlehnskassen keinen wirtschaftlich begründeten Unterschied machen. Beide Papiergeldarten sind die Folgen der Kreditaufblähung; sie sind beide Symptome der gleichen volkswirtschaftlichen Krankheit.