Inflation und Kriegsanleihe. 27 über einen bestimmten Betrag hinaus den Darlehnsnehmern über Girokonto der Reichsbank gutgeschrieben. Wenn die Darlehns kassenscheine nicht vorhanden wären, dann hätten entsprechend mehr Banknoten ausgegeben werden müssen. Entscheidend ist also die Summe der Darlehen, die auf die Pfandobjekte, also Kapitalstücke, gefordert und gegeben worden sind. Bis zum Um lauf der Darlehnskassenscheine fanden sie Raum innerhalb dieser Umlaufsmenge. Den Darlehen sind aber auch die Girogelder der Reichsbank gegenüberzustellen. Inwieweit diese ohne Gefährdung der Zwecke, denen sie zu dienen bestimmt sind (Reserven der Einzelwirtschaften) mit den Darlehen der Darlehnskassen kompen siert werden könnten, also die Darlehen bei den Darlehnskassen ermäßigen könnten, ist von außen schwer zu beurteilen. Was dagegen oben (S. 19) über die seit der politischen Umwäl zung eingetretene Zunahme der Thesaurierung von Banknoten und ihr Verhältnis zur Inflation gesagt worden ist, gilt gleicher maßen von den thesaurierten Darlehnskassenscheinen. 4. Man kann aus natürlichen Gründen — Ausverkauf und Teue rung — annehmen, daß die Kapitalien aus gewöhnlichen Erspar nissen sowie aus Lagerräumung und unterlassenen Instandhal tungsarbeiten von der 5. Anleihe an im Verhältnis zum Zeichnungs ergebnis geringer geworden, der Anteil der zurückgegebenen Kauf kraft, der eigentlichen Kriegsgewinne, am Zeichnungsergebnis immer größer geworden ist. Diese scheinbar günstige Entwicklung von Kaufkraft und Anleiheerlös ist aber nur dadurch möglich geworden, daß die Bildung neuer Einkommen, neuer Vermögen und neuer Kaufkraft seit dieser Zeit in noch größerem Umfang vor sich gegangen ist. In Wirklichkeit ist daher von den steigenden Auszahlungen des Reiches ein stets geringer werdender Betrag wieder zur Anleihe zurückgeflossen. Mit anderen Worten: der Er lös der Anleihen ist von Anleihe zu Anleihe immer mehr hinter den von dem Reiche während eines Anleihezeitabschnittes in Anspruch genommenen Krediten zurückgeblieben, die schwebenden Schulden des Reiches haben ständig zugenommen. Sie stiegen nach der obigen Zusammenstellung bei der 6. Anleihe schon auf 19,8 Milliarden Mark, von denen trotz des glänzenden Zeichnungsergebnisses von 13,1 Mil liarden Mark 6,5 Milliarden Mark uneingelöst blieben, auf 27,3 Mil liarden Mark und einen Restbetrag von 14,6 Milliarden Mark bei der 7. Anleihe und auf den gewaltigen Betrag von 38,9 Milliarden Mark