36 Die Finanzwirtschaft während des Krieges usw. die Kaufkraft sicherlich anders verwendet werden als in den Händen des Wertpapiererwerbers, der — da es ihm um eine Rente zu tun ist — in der Hauptsache nur Kriegsanleihe hätte kaufen können. Verkauft die Bank aus eigenem Besitz, dann vermehrt der Erlös das der Bank zur Verfügung stehende Betriebskapital. Da dieses Kapital nach bankpolitischen Grundsätzen angelegt zu wer den pflegt, so geht die Kaufkraft mittelst Kreditgewährung an Handel und Industrie oder an die Kommunen oder an das Reich (gegen Reichsschatzanweisungen) über, oder sie verbleibt in Ge stalt von Barvorräten in den Kassen der Bank, erhöht die Giro guthabenbestände der Reichsbank. In Kriegsanleihe werden nur verhältnismäßig geringe Teile der Bankgelder angelegt. Des weiteren kann der Verkäufer der Wertpapiere eine andere Privatperson sein, der die Kaufkraft des Wertpapierverkäufers übertragen wird. Sie kann ihrerseits mit dem Erlös Sachgüter kau fen oder den aus irgendwelchen Gründen zu haltenden Kassen bestand erhöhen oder die flüssigen Mittel bei den Banken auf Depo sitenkonto einzahlen (wodurch die Bank die Verfügungsgewalt er hält) oder auch Kriegsanleihe zeichnen. Die die Kaufkraft erhaltene Person kann endlich auch ein Spekulant sein, der sie dauernd im Ankauf und Verkauf von Wertpapieren verwendet. Die Spekula tion bindet die Kaufkraft insofern, als die Kapitalien ständig für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren zur Verfügung gehalten werden. Je höher die Kurse sind, je größer die Summe der der Spekulation (nicht der Kapitalanlage) dienenden Wertpapiere und je größer die Zahl der sich an der Spekulation beteiligenden Per sonen ist, um so größer ist auch das Kapital, das durch die Speku lation gebunden wird. Es tritt im Frieden in den Reports und Lombarddarlehen und den Depositen der Bankbilanzen in die Er scheinung. Während des Krieges vollzog sich die Spekulation nur im Kassageschäft, so daß lediglich ein Teil der Depositen das Be triebskapital der Spekulation darstellen dürfte. Diese Depositen erheischen den größten Grad von Liquidität, da sie täglich nach den Verfügungen der Spekulanten hin und her geschoben werden. So werden sie, wenn sie nicht in bar oder als Giroguthaben bei der Reichsbank aufbewahrt werden, höchstens Anlage in Reichsschatz anweisungen, niemals aber in Kriegsanleihe finden. — Die Börse saugt also die flüssigen Geldkapitalien nicht in sich auf; sie ist nur der große Umschalter für die Kaufkraft der