Inflation und Wechselkurse. 49 Vermehrung hersteilen zu sollen. Wie sind die Meinungsverschieden heiten zu erklären? Wenn durch den Mangel an ausländischen Zahlungsmitteln die Kurse der ausländischen Wechsel in Deutschland gestiegen sind, so war es den deutschen Einzelwirtschaften dank ihrer gestiegenen Kaufkraft ein leichtes, für diese Zahlungsmittel mehr Mark einheiten anzulegen, um damit die Einfuhr von ausländischen Waren zu ermöglichen, nach denen infolge des Mangels an ein heimischen Waren eine starke Nachfrage in Deutschland bestand. Die höheren Markpreise für die ausländischen Waren waren in Deutschland möglich, entweder; weil hier schon für diese oder die andere entsprechende Ware entsprechend hohe Preise bestanden oder eine der Wechselkurssteigerung entsprechende Preissteigerung infolge des stetig sich vergrößernden Mangels an Waren eintreten konnte. Im letzteren Falle haben dann die hohen Preise für die Importwaren auch zur Erhöhimg der Preise im Inland beigetragen. (In welchem Umfange und bei welchen Waren dies geschehen ist, wäre im einzelnen 1 ) zu untersuchen.) Die Bewilligung höherer Preise in Mark für die ausländischen Zahlungsmittel braucht da gegen nicht immer und nicht in vollem Umfange, wie dies vielfach angenommen wird, mit einer Rückwirkung auf die Warenausfuhr verbunden zu sein. Denn erstlich kann und konnte in Wirklich keit — die größere Menge Mark unmittelbar in Gestalt von Noten — weniger in Markschulden — ins Ausland gehen und hier auf den Kurs der Mark drücken, oder sie konnte in Gestalt zu ungünsti gen Bedingungen in fremder Valuta abgeschlossener Kredite auf den Preis der zu importierenden Ware und später bei Näherrücken der Fälligkeiten für Zinsen und Rückzahlungen ebenfalls auf den Kurs der Mark im Ausland einwirken. Ferner konnte die größere Menge Mark für die Einheit ausländischer Zahlungsmittel, die für den Import benötigt und gezahlt wurde, den deutschen Verkäufern von ausländischen Wertpapieren in Gestalt von sog. Valutagewin 1 ) Wie verschieden die Verhältnisse im einzelnen liegen, geht daraus hervor, daß nach einem Bericht der Frankfurter Zeitung vom 27. Juni 1919 die anhaltende Preissteigerung für Eisen in Deutschland zur Folge habe, daß nicht nur deutsches Eisen nicht mehr auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sei, sondern sogar die aus ländischen Angebote trotz des hemmenden Standes der Valuta jetzt unter den deutschen Preisen liegen. Am 22. Juni 1919 berichtet die Frankfurter Zeitung, daß die inländischen Preise der Anilinfarben erhöht werden konnten, weil die im neutralen Auslände gezahlten Preise bedeutend höher seien. Prion, Inflation und Geldentwertung. 4