56 Die Finanzwirtschaft während des Krieges usw. Schatzanweisungen aufgestapelte überreichliche Kaufkraft zum mindesten auf lange Zeit einer Preissenkung im Wege stehen. Al lerdings wird mit einer Produktionssteigerung auch eine Vermeh rung der umsatzfähigen Güter zu erwarten sein, anstatt wie bisher — durch die Zerstörungen des Kriege* — eine Verminderung, so daß sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nach Waren allgemein wieder bessern kann. Endlich ist zu berücksich tigen, daß nach Beendigung des Krieges bestimmte Maßnahmen zur Verringerung der Kaufkraftmenge durchgeführt werden kön nen, die während der Dauer des Krieges als unmöglich oder als untunlich zurückgestellt worden sind. 2. Wenn man ein militärisches Bild gebrauchen will, so kann man sagen, daß die aus der Kriegswirtschaft zurückgebliebene Kauf kraft der Einzelwirtschaften eine Bereitstellung mit Tiefengliede rung eingenommen hat. Als Vorposten gelten die über den unmittel baren Zahlungsbedarf hinausgehenden Papiergeldmengen in den Kassen der Einzelwirtschaften sowie ein Teil der Giroguthaben bei der Reichsbank, schätzungsweise 20 Milliarden Mark am 31. Dezem ber 1918, die in jedem Augenblick bereit sind, als Käufer für Waren und Dienstleistungen aufzutreten, sobald sich dazu eine Gelegen heit bietet. Der ersten Kampflinie vergleichbar sind die Guthaben, die, um der Zinslosigkeit zu entgehen, auf tägliche Kündigung bei den Banken eingezahlt worden sind, bis sie in den Wettkampf am Gütermarkt eingreifen können oder in eine Kapitalanlage um gewandelt werden sollen. Ihr Betrag war auf weitere 14 Milliarden Mark zu veranschlagen. Die ersten Reserven bilden die Hinter legungen mit Kündigung, insonderheit bei den Banken in Höhe von 13 Milliarden Mark (gegen 3 bzw. 4 Milliarden Mark Ende 1913) zum Teil auch bei den Genossenschaften in Höhe von 5 Milliarden Mark (gegen 2 Milliarden Mark Ende 1913), weniger bei den 33 Mil liarden Mark Einlagen der Sparkassen, bei denen der Charakter als Kapitalanlage noch vorherrschen dürfte. Von der militärischen Kriegführung unterscheidet sich diese finanzielle Gliederung nun sehr wesentlich dadurch, daß die finanziellen Reserven in Wirklich keit gar nicht mehr vorhanden sind: sie sind längst verbraucht. Die Depositen und sonstigen Einlagen sind zum größten Teil an das Reich (die Bundesstaaten und Gemeinden) weitergegeben worden, indem sie Anlage in Schatzanweisungen des Reiches (und in sonstigen Krediten) gefunden haben. Die Reichsschatzanweisungen, deren