Die Folgen der Geldentwertung. 63 schaft entfällt eine geringere Menge an Gütern als früher. Daran wird nichts geändert, wenn man das Geldeinkommen aller Einzel wirtschaften noch so sehr erhöht. Nur dadurch, daß der einzelne sein Einkommen vorzeitig oder mehr steigert, ist er anderen gegenüber im Vorteil; je mehr sich aber Einkommenserhöhungen, Lohnsteigerungen, Teuerungszulagen für ganze Klassen von Wirt schaften durchsetzen, je gleichmäßiger und allgemeiner die Ein kommen den hohen Preisen angepaßt werden, um so mehr geht der Vorsprung und Vorteil des einzelnen verloren: die erhöhte Kaufkraft treibt die Preise immer weiter in die Höhe, solange die Menge der Waren nicht vermehrt wird. Bis dahin sind allgemeine Lohnsteigerungen ein unwirksamer Kampf gegen die hohen Preise: der einzelne erhält zwar mehr Papiergeld, aber er kann sich für den allgemeinen Bezugschein Geld immer weniger kaufen. 3. Um so wichtiger wird die Frage: gibt es finanzielle Mittel, die diese unheilvolle Entwicklung aufhalten oder noch besser: in ihr Gegenteil verwandeln können? Einer Vorfrage ist hier schon Erwähnung zu tun: Solange eine Vermehrung der Güter nicht oder nicht in erheblichem Umfange eintritt, ist es aus den oben geschilderten Gründen ausgeschlossen, etwa die heutigen Preise zu stabilisieren und nach ihnen die Einkommen der Einzelwirt schaften entsprechend festzusetzen. Dieser Gedanke ist auch aus technischen und finanziellen Gründen undurchführbar. Die öffentlichen Wirtschaften müßten mit gewaltigen Gehaltserhöhun gen rechnen und danach ihre Einnahmen entsprechend steigern; denn von den Beamtengehältern kann man nicht sagen, daß sie bereits dem Stande der Preise angepaßt sind. Die Privatunter nehmungen müßten ihre Kalkulation durch die Mehrzahlungen für Löhne auf eine neue Grundlage stellen und in vielen Fällen die Menschenarbeit noch mehr als bisher durch Maschinen er setzen. Außerdem würde es außerordentlich schwierig sein, all gemein ein richtiges Verhältnis der neuen Einkommen zu den Preisen, d. h. die richtige Einkommenshöhe für die verschiede nen Klassen von körperlichen und geistigen Arbeiten zu finden. Die größte Schwierigkeit läge jedoch bei den Rentenbeziehern und Besitzern von Geldvermögen. Sollen sie entschädigt werden ? Wenn es auch im Zuge unserer Zeit begründet liegt, den Kapital besitz nicht zu schonen, so entspricht es doch keineswegs der Ge rechtigkeit, wenn beispielsweise alle diejenigen, die ihr Leben lang