64 Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. gearbeitet haben und nun vom Ertrage ihrer Arbeit leben müssen, die dauernde Geldentwertung in den Kauf nehmen müßten, während andere Personen durch die Erhöhung ihrer Einkommen auf dem Wege der Teuerungszulagen oder Erhöhung der Verkaufspreise entschädigt werden. Vgl. jedoch Abschnitt V. So bleibt zunächst: wünschenswert ist eine Herabsetzung der hohen Preise. Wie weit die Senkung zweckmäßig zu gehen habe, ist besser zu erörtern, wenn festgestellt ist, ob sie — durch finanzielle Mittel — überhaupt zu erreichen ist. II. Maßnahmen den Zahlungsmittelumlauf betreffend. 1. Die Vorschläge, die vom Zahlungsmittelumlauf ausgehen, sind besonders zahlreich. „Heraus aus der Papiergeldwirtschaft“ ist das Schlagwort unserer Zeit geworden. „Die Preise können nur auf ein erträgliches Maß zurückgehen, wenn nicht mehr so viel Papiergeld im Umlauf ist“ — ein Satz, der nicht nur als land läufige Meinung Geltung hat, sondern auch in der wissenschaft lichen Literatur vielfach vertreten wird 1 ). Brentano fordert, um den Preisrückgang einzuleiten, eine größere Ausbreitung und Ver tiefung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, damit die Note durch denScheck und die Girozahlung ersetzt werde 2 ). Wie durch eine solche Maßnahme eine Senkung der Preise herbeigeführt werden soll, ist nicht ersichtlich. Denn dadurch, daß ich statt einer Note in der Hand über ein Guthaben verfüge und mit dem Guthaben kaufend auf treten kann, ist in meinem Verhältnis zu den Preisen *) Auch L a n s'b u r g h spricht davon, daß die Inflation durch Zurückschrau bung des Umlaufs von Zahlungsmitteln auf seine natürlichen Verkehrsbeziehungen beseitigt werde.... Der Preisrückgang stellt sich von selbst ein, wenn man die umlaufende Notenmenge verringert. Denn die Noten sind Kaufkraft, die dann fehlt. . . . Vgl. hierzu die Bemerkungen Heyns im Weltwirtschaftlichen Archiv vom 1. April 1919, die sich wesentlich mit den im Text vertretenen An sichten decken. 2 ) In einem Überblick über das einjährige Bestehen der Abteilung der Reichsbank für bargeldlosen Zahlungsverkehr führt der Leiter derselben: Dr. H. Schippel in einem Aufsatz: WährungsWiederherstellung und bargeld loser Zahlungsverkehr unterm 2. Mai 1919 in der D. A. Z. Nr. 210 u. a. fol gendes aus: Da die Mehrzahl der Maßnahmen zur Herbeiführung des Ge sundungsprozesses Zeit erfordern, erscheint die einen verhältnismäßig schnellen Erfolg entsprechende Veredelung der Zahlungssitten besonders zweckmäßig: Die Annahme, daß die Erhöhung der Giroguthaben, die mit einer Ein schränkung des Papiergeldumlaufs notwendigerweise eintritt, ähnlich inflatorisch wirke wie die Erhöhung des Notenumlaufs, entbehrt in dieser absoluten Form bisher der wissenschaftlichen Grundlage . . .