72 Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. um die Hälfte konfiszieren kann, so nimmt das Ganze den Charakter einer wohldurchdachten Steuer an, bei dem die Wertverringerung der Noten nur ein Glied in der Kette einer großem Zahl von Maß nahmen darstellt. Hierfür ist das Beispiel in Tschecho-Slovakien lehrreich: Es wurde bestimmt, daß alle im Lande umlaufenden Noten abgestempelt werden sollten, wobei neben einer für den Staat bestimmten Gebühr* von 1% von den ein gelieferten Noten die Hälfte in abgestempelten Noten und der Rest in Gestalt einer lproz. Zwangsanleihe zurückgegeben wurden. Außerdem mußten innerhalb einer kurzbefristeten Zeit genaue Vermögensregister eingereicht werden, in denen der Besitz der Zensiten an Wert papieren, Depositen, Grundstücken, Waren und sonstigen Gegen ständen verzeichnet war. Bezüglich der lproz. Zwangsanleihe wurde bestimmt, daß sie später bei den zur Einführung gelangenden Steuern in Zahlung gegeben werden konnte, wodurch die An passung an die Steuerleistungsfähigkeit des einzelnen Zensiten sichergestellt war. In diesem Beispiel handelte es sich also um einen geschlossenen Steuerplan, bei dem alle Lücken (durch Schließung der Börse, Moratorium, Einstellung des Außenhandels, Vermögensverzeich nis) sorgfältig verstopft waren. Und die Wirkung? Soweit Be richte bis jetzt vorliegen: nicht nur weitgehende Zurückhaltung der Noten und umfangreiche Eälschungsversuche bei der Ab stempelung, sondern auch eine starke Steigerung aller Preise — und Zurückhaltung der Bauern in ihren Lieferungen, weil sie das Ende all dieser Maßnahmen nicht abzusehen vermögen. Und von hier aus ergibt sich die unsinnigste, keineswegs aber seltene Vorstellung: man stempele alles Papiergeld auf die Hälfte herab, setze alle Schulden und Forderungen auf die Hälfte ihres Wertes an, ermäßige alle Preise um die Hälfte — und alles ist wieder in Ordnung. Das Ei des Kolumbus! Wenn alle Preise um die Hälfte heruntergesetzt werden, dann müßte logischerweise auch das Ein kommen auf die Hälfte herabgesetzt werden. Damit wäre an den tatsächlichen Zuständen selbstverständlich nichts geändert. Wird aber nicht gleichzeitig das Einkommen auf die Hälfte herabgesetzt, dann würden diesem hauptsächlichsten Teil der Kaufkraft der Einzelwirtschaften niedrigere Preise gegenüberstehen, die solange unhaltbar sein würden, als der Mangel an Waren anhält und, wie oben ausgeführt, nicht eine andere Mengenverteilung möglich ist,