78 Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. leihen verschafft. Auf diese Weise hat sich das Reich die durch seine willfährigen Zahlungen geschaffene Kaufkraft von seinen Bür gern bzw. von den Banken in großem Umfange zurückgeliehen oder sich neue Kaufkraft durch Kredite bei der Reichsbank ge liehen, anstatt solche — zum mindesten für die laufenden Aus gaben — durch Steuern aus der Volkswirtschaft zu entnehmen. Mit dem Aufhören der eigentlichen Kosten für die Kriegführung und für die Demobilisierung sollte auch die im Kriege üblich ge wordene Wirtschaft mit den Schatzanweisungen aufhören. Die ur sprüngliche Bedeutung des Schatzanweisungskredits lag darin, daß sich die Finanzverwaltung vorübergehend Geldmittel ver schaffte, die nach kurzer Zeit aus den unregelmäßig eingehenden laufenden Einnahmen zurückerstattet wurden. Während des Krie ges haben die Reichsschatzanweisungen den Charakter von lang fristigen Darlehnsaufnahmen angenommen, die zwar noch das Rückzahlungsversprechen ,,nach 3 Monaten“ tragen, aber einst weilen uneinlösbar sind. Sie stellen nicht mehr antizipierte Forde rungen des Reiches an die Steuerschuldner dar, sondern sie sind für das Reich langfristige, unfundierte Anleihen in der gefährlichen Form der schwebenden Schulden geworden. Denn dem Gläubiger ist nicht nur die Rückzahlung innerhalb kurzer Frist zugesagt, sondern sogar auch das Recht zugebilligt worden, die Reichsschatz anweisungen jederzeit durch Rediskontierung bei der Reichs bank wieder in Geld zu verwandeln. Er hat seine Kaufkraft dem Reiche nur auf kurze Zeit geliehen, während für das Reich — zum mindesten für die laufenden Ausgaben — jetzt unbedingt wie der eine endgültige Erfassung der im Tauschverkehr gebildeten Kaufkraft geboten erscheint. Das ist allein auf dem Wege der Steuer möglich. Bislang hat sich aber die Nationalversammlung noch nicht mit der auf die Abstellung der Kreditwirtschaft hinzielen den Steuergesetzgebung beschäftigt 1 ), und so sind weitere 9 Mo nate nach Beendigung der Kriegshandlungen verflossen, während welcher die Aufbringung von Mitteln für die ordentlichen Aus- J ) Es liegt deshalb nahe, die Hinausschiebung der Steuergesetzgebung für die schnelle Weiterentwicklung der Geldentwertung verantwortlich zu machen. So z. B. Waller in dem oben angeführten Aufsatz: Finanznötc der Gegenwart (Köln. Ztg. v. 24. April 1919), Kuczynski, Die Ursachen unserer Finanznot (Deutsche Politik vom 6. Juni 1919). Inzwischen ist die Nationalversammlung in die Beratung der Steuervor lagen eingetreten.