80 Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. sofort nach Zusammentritt der Nationalversammlung zur Ein führung gelangt wären, bzw. wie sie tatsächlich wirken würden, wenn sie bei Beginn der neuen Friedenswirtschaft eingeführt wür den. Soweit Verbrauchssteuern in Frage stehen (solche werden sich trotz schwerer Bedenken selbst für die Massenartikel des täg lichen Lebens nicht ganz umgehen lassen), kann nicht fraglich sein, daß sie an sich preissteigernd wirken, insbesondere in einer Zeit, in der sowohl eine Vermehrung der Warenmengen als auch eine weitere Einschränkung des Konsums auf die größten Schwierig keiten stößt. Dasselbe ist von der Umsatzsteuer anzunehmen, deren Ertrag erheblich gesteigert werden soll. Als sichere Folge würde also zurzeit für die meisten Waren eine Preissteigerung an statt einer Preissenkung eintreten. Die Preissteigerungen würden, wenn sie allgemein und in fühlbarem Ausmaß erfolgten, die Wünsche nach Lohnsteigerungen unterstützen, was wiederum dem Rückgang der Preise entgegen wirken würde. Nicht viel anders würden die Rückwirkungen von der Steigerung der Erträge aus den direkten Steuern, insbesondere der Einkommensteuer, sein. Es werden zwar eine Anzahl von Einzelwirtschaften die neuen Lasten nicht so leicht abwälzen können, wie z. B. die auf feste Kapitalzinsen angewiesenen, erwerbsunfähigen Rentner, oder die unter den augenblicklichen wirt schaftlichen Verhältnissen nur ungenügend beschäftigten Handels und Industrieunternehmungen; in der großen Mehrzahl der Fälle werden aber die Einzelwirtschaften auch die Einkommensteuern mit Erfolg abwälzen können, sei es, daß die Unternehmer höhere Preise fordern, oder daß die Angestellten und Arbeiter Er höhungen ihrer Einkommen durchsetzen. Unter den obwaltenden wirtschaftlichen Verhältnissen wäre also in der Zeit bis zur Unterzeichnung des Friedens von der Ein führung der laufenden Steuern eine preissenkende Wirkung nicht zu erwarten gewesen. Gewiß wäre die Kaufkraft einer Zahl von Wirt schaften, denen eine Abwälzung der Steuer nicht gelungen wäre, ver ringert worden ; aber die Hauptmasse der Einzelwirtschaften hätte diese Verringerung durch Lohnsteigerungen ausgeglichen, wäre weiter in demselben Ausmaß für die Masse der wenigen Waren, die vorhanden waren, als Käufer auf getreten. Wenn die Verwendung der Reichs Schatzanweisungen zur Beschaffung von Mitteln für die laufenden Ausgaben während der Waffenstillstandszeit vielleicht nicht mehr ganz so gefährlich war, wie im Kriege, so dürfte das