Steuerpolitische Maßnahmen. 89 machen, der vorgeschriebenen Vermögensaufstellung nicht an vertraut haben. Dazu kommt, daß die Vermögensabgabe zwar für eine große Zahl von Wirtschaften eine fühlbare Kaufkraftminderung be deutet 1 ) ; nicht aber ist darin schon eingeschlossen, daß nun auch alle Wirtschaften in Wirklichkeit weniger kaufen wollen und können. Heute (nach neunmonatiger Dauer des Waffenstillstandes) und in der nächsten Zukunft kämpft der einzelne in Deutsch land mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln um die Er haltung seiner Gesundheit und seines Lebens. Die Masse der Be völkerung kauft Lebensmittel und gewisse Gebrauchsgegen stände zu hohen und höchsten Preisen, nicht weil sie kaufen will, sondern weil sie kaufen muß, um sich notdürftig am Leben zu erhalten. Diese durchaus notwendigen Ausgaben lassen sich, soweit die Mengen in Betracht kommen, kaum weiter einschränken. Die Lohnsteigerungen der letzten Monate sind ebenso auf diese Tatsache zurückzuführen, wie die Aufzehrung der Vermögen in all den Fällen, wo Einkommenssteigerungen nicht möglich waren. In diesen für die Existenz der einzelnen unbedingt erforderlichen Ausgaben findet auch die von der Vermögensabgabe grundsätz lich ausgehende Senkung der Preise ihre praktische Grenze. Zur Zeit kann daher diese Wirkung der Steuer nur eine gering fügige sein. Entscheidend ist jedoch, daß die hohen Preise heute in der Hauptsache von den hohen Löhnen der Arbeiter und den hohen Gehältern der Angestellten gehalten werden. Es sind nicht so sehr die wahnwitzigen Ausgaben einzelner oder aller Kriegsgewinnler, die die Preise für die wichtigsten Lebensmittel und Bedarfsartikel in die Höhe treiben. Die Preise der Massenwaren werden von der Massennachfrage bestimmt, die von der gestiegenen Kaufkraft der großen Schichten der Arbeiter und Angestellten ausgeht. Diese werden unmittelbar gar nicht, mittelbar nur wenig von der Ver mögensabgabe getroffen. Allerdings stehen auch für diese Ein kommensquellen hohe Steuerlasten in Aussicht. Wie bereits oben bei Besprechung der laufenden Steuern (S. 80 u. f.) hervorgehoben 1 ) Es wird vorausgesetzt, daß es der Veranlagungstechnik wirklich gelingt, alle Vermögen in der richtigen Weise mittels der Steuer zu treffen. Der Reichs finanzminister Schiffer hat bereits in seiner ersten Rede vom 9. Dezember 1918 Maßnahmen angekündigt, die der Erreichung dieses Zieles zu dienen bestimmt sind.