Steuerpolitische Maßnahmen. 91 eine erhebliche Rolle spielen werden, läßt sich heute noch nicht übersehen. Immerhin bleibt bestehen, daß im Ralle der Kredit beanspruchung eine unmittelbare Verteuerung der Produktion durch die Vermögensabgabe gegeben ist. Bei der durch die Vermögensabgabe erforderlich werdenden Kreditgewährung werden ferner unter Umständen neue Buch kredite geschaffen, neue Noten oder Darlehnskassenscheine zur Ausgabe gelangen. An die Stelle des eingezogenen Papierkapitals tritt neues Papiergeld, neue Kaufkraft. Aber — was meist über sehen wird, wenn die Schwierigkeiten der Vermögensabgabe betont werden — diese Neuausgabe von Papiergeld und Krediten ist doch unter allen Umständen der Belassung der aufgeblähten Kauf kraft in ihrer augenblicklichen Verteilung auf die Einzelwirtschaften .vorzuziehen. Wird zunächst einmal allen Einzelwirtschaften ein verhältnismäßiger Teil ihres Vermögens abgenommen, dann wird deren Kaufkraft beschnitten, wird zugleich das nominelle Vermögen mehr dem volkswirtschaftlichen Güterbestande angepaßt. Außerdem wird damit ein Teil des 100 und mehr Milliarden Mark umfassen den „fiktiven“ Kapitals (Noten, Schatzanweisungen und Kriegs anleihe) zum Verschwinden gebracht. Indem den Unternehmern dann neuer Kredit zugeführt wird, kommt diese neue Kaufkraft jetzt ausschließlich in solche Hände, die sie zu volkswirtschaft lichem Nutzen, zur Erhöhung der Produktion verwenden können. Eine notwendige Voraussetzung dieser Maßnahmen ist eine gewisse Überwachung des Kapitalmarktes, auch schon mit Rücksicht auf die endgültige Unterbringung der verbleibenden Staatsanleihen, wie ich dies schon in früheren Ausführungen gefordert habe 1 ). Nun haben aber nicht alle Unternehmer (und sonstigen Steuer pflichtigen) so viel flüssige Mittel, daß sie daraus die Vermögens abgabe entrichten könnten. Mit Rücksicht darauf, daß die meisten Unternehmungen ihren Betrieb noch nicht in vollem Umfange wieder haben aufnehmen können, wird vielfach die Zahl der jenigen, die die Steuer nicht aus vorhandenen Mitteln leisten kön nen, sicher überschätzt, wenn auch nicht zu übersehen ist, daß die hohen Preise und hohen Löhne ein weit größeres Betriebskapital als früher bedingen. Immerhin ist bei vielen Unternehmungen mit i) Vgl. Prion, W., Die deutschen Kreditbanken im Kriege und nachher, Stuttgart 1917 S. 143. Prion, W., Der internationale Geld- und Kapitalmarkt nach dem Kriege, München 1918, S. 87.