Friedensbedingungen und Geldentwertung. 125 Einnahmequellen. Entscheidend aber ist, daß wiederum durch diese Anleihewirtschaft die aus den Zwangsablieferungen entstehende ­ neue Kaufkraft zum größten Teil bei den beteiligten Einzelwirtschaften verbleibt, während gleichzeitig die erzeugten Güter der deutschen Volkswirtschaft endgültig verloren gehen. Der Mangel an Gütern, an dem die deutsche Volkswirtschaft krankt, kann daher im besten Falle nur allmählich abgestellt werden. Auf der anderen Seite wird das Mißverhältnis von Kaufkraft ­ und Gütervorrat trotz der einschneidenden Steuermaßnahmen (vgl. IV) nur in geringem Maß gebessert. Somit dauern die Ursachen ­ der Preissteigerung von der Geldseite her weiter an. Die trüben Aussichten der Finanzen sind zweifellos ein neuer Grund zum Verzagen. Die Vorschläge, in dieser oder jener Form den Staatsbankrott herbeizuführen, pochen von neuem und jetzt mit Ungestüm an die Tür des Reichsfinanzministers. Das eine ist unbedingt richtig: heute kann kein Mensch sagen, ob die deutsche Volkswirtschaft jene gewaltigen Zumutungen, die der verlorene Krieg mit seinen inneren Erscheinungen und den harten Friedensbedingungen ­ an sie stellt, jemals zu tragen imstande sein wird. Man kann nur den Glauben haben, daß die deutsche Volkswirtschaft aus sich heraus die Kraft finde, sich unter diesem gewaltigen Druck der wirtschaftlichen Knechtschaft zurechtzufinden und unter den, veränderten Verhältnissen wenigstens ihr Leben zu fristen. Die Berechtigung zu dieser Hoffnung liefert die Vergangenheit des deutschen ­ Volkes, das auf Grund seiner inneren Qualitäten die zahlreichen ­ herben Schicksalsschläge, die ihm geworden sind, immer wieder überwunden hat. Außerdem ist man — zum Glück — leicht geneigt, die selbsttätige Heilung, zu der eine Volkswirtschaft ­ immer noch aus sich heraus befähigt ist, in der Regel zu unterschätzen. Gewiß ist hingegen, daß jede Art von Staatsbankrott, insbesondere ­ auch die vorgeschlagene Umwandlung aller öffentlichen Schulden in Papiergeld, das wirtschaftliche und politische Elend vergrößern wird, ohne Deutschland von seinen gewaltigen Auslandsverpflichtungen ­ zu entbinden. Die Wahrscheinlichkeit, daß sich auf dem ordentlichen Wege über die Arbeit, Steuerpolitik und Anleihetilgung eine Lebensmöglichkeit ergibt, ist auf jeden Fall dem sicheren Unglück vorzuziehen, das über die deutsche Volkswirtschaft ­ hereinbrechen würde, wenn als letztes der Staats ­