<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Inflation und Geldentwertung</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Willi</forname>
            <surname>Prion</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1029439745</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>86

Finanzielle  Maßnahmen  zum  Abbau  der  Preise.

vorzüglichste  Mittel,  um  die  übermäßig  gestiegene  Kaufkraft
einigermaßen  wieder  in  Übereinstimmung  mit  dem  verringerten
oder  nicht  in  gleichem  Maße  gestiegenen  Sachgütervorrat  zu  bringen ­
 1 ).  Man  hat  zur  Veranschaulichung  dieses  Vorganges  vielfach
das  Bild  von  dem  „Wasser“  aus  der  amerikanischen  Finanzpraxis
gebraucht.  Wenn  eine  Unternehmung  auf  technisch  gesunder
Grundlage  aufgebaut  ist,  aber  die  Einnahmen  keine  oder  nur  eine
geringe  Rente  auf  ein  hohes  Nominalkapital  zulassen,  mit  anderen
Worten:  wenn  die  Unternehmung  überkapitalisiert,  das  Kapital  verwässert ­
  ist,  dann  bietet  die  Herabsetzung  des  Kapitals,  die  Abschöpfung ­
  des  „Wassers“  die  Möglichkeit,  die  wirklichen  Vermögenswerte ­
  und  die  erzielten  'Einnahmen  wieder  in  ein  richtiges
Verhältnis  zum  Nominalkapital  zu  bringen,  das  die  rechnungsmäßigen ­
  Anteile  der  Teilhaber  oder  Gläubiger  an  der  Unternehmung
darstellt.  Indem  der  Nennwert  der  einzelnen  Anteile  herabgesetzt,
das  Gesamtkapital  ermäßigt  wird,  erhöht  sich  bei  gleicbgebliebenen
Einnahmen  die  Rente  auf  das  verringerte  Nominalkapital,  auf  die
einzelnen  Kapitalanteile,  und  gleichzeitig  wird  es  möglich,  dem
Unternehmen  auf  dieser  neuen  Grundlage  neues  Kapital  zuzuführen, ­
  das  die  Produktivität  des  Ganzen  steigern  soll  und  kann.
Man  wird  aber  stets  beachten  müssen,  daß  dieses  Bild  aus  der
kaufmännischen  Finanzpraxis  lediglich  den  Wert  eines  Veranschaulichurgsmittrls
  haben  kann.  Es  kann  keine  Rede  davon  sein,
daß  das  Verfahren,  das  bei  einer  privatwirtschaftlichen  Unternehmung ­
  mit  Erfolg  angewendet  wird,  auch  ohne  weiteres  auf
den  heutigen  Zustand  der  deutschen  Volkswirtschaft  und  dazu
noch  mit  den  entsprechenden  Folgen  übertragen  werden  kann.
Die  Volkswirtschaft  ist  keine  Unternehmung;  sie  läßt  weder  eine
mechanische  Berechnung  der  nominellen  Ansprüche  auf  den  Sachgütervorrat ­
  der  Volkswirtschaft  noch  eine  solche  des  richtigen
Verhältnisses  von  Einkommen,  Vermögen  und  Preisen  zu.
Ohne  allen  Zweifel  hat  die  Vermögensabgabe  eine  allgemeine
und  weitgehende  Kaufkraftminderung  zur  Folge,  selbst  dann,
wenn  die  Steuerpflichtigen  —  was  bis  zu  einem  gewissen  Grade
zu  erwarten  ist  —  versuchen  werden,  auch  ihr  Einkommen  zur
Deckung  der  Steuerlasten  heranzuzieben.  In  der  Hauptsache  wird
jedoch  die  Vermögensabgabe  aus  dem  Vermögen  bezahlt  werden
l )  Anders  Terhalle,  der  a.  a.  O.  S.  95  —  aus  den  oben  widerlegten  Gründen  —
die  „Einmalige  als  Mittel  der  Deflationspolitik  ablehnt“.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
