14 l? Die Weser wurde zwar ebenfalls blockiert, und man beorderte anfänglich die nach Bremen bestimmten Schiffe nach Emden, dem nun eine ähnliche Rolle wie Tönning für Hamburg zufiel; neu trale Flaggen, von denen man bisher kaum etwas gehört hatte, die Kniephäuser, die Papenburger, flatterten auf den Schiffen im Hafen. Als aber die sowieso schon beschwerliche Verbindung mit Bremen auf den oldenburgischen Flüßchen und Landstraßen durch den Winter völlig gesperrt wurde, verfiel man auf die Idee, die ebenfalls blockadefreie Jade als Ausgangspforte Bremens zur See zu benutzen. Es zeigte sich, daß dieser Meerbusen keineswegs so unzugänglich für große Schiffe war, wie man bisher ange- nonunen hatte. Über Varel wurde nun bis zum Ende der Blockade ein ziemlich lebhaftes Verfrachtungsgeschäft, besonders in Leinwand, betrieben. Wenn die Blockade auch im folgenden Jahr etwas erleichtert wurde, so hat sie doch durch ihre lange Dauer den Hansestädten erheblichen Schaden zugefügt. Erst als die französischen Truppen zur Teilnahme am dritten Koalitionskrieg nach Süden abrückten, hob England am 9. Oktober 1805, nach 2Ü4 Jahren die Blockade auf. Besonders hatten das Gewerbe, z. B. die Zuckersiedereien, das Handwerk, die kleine Geschäftswelt, die aus den« Hafenbetrieb ihre Nahrung zog, gelitten; von den 153 Fallissements, die während der Sperre in Hamburg vorfielen, betrafen die meisten kleinere Vermögen von 5000—50000 Mark Banko. Der Warenhandel lag zwar auch schwer darnieder, doch verstand es die Kaufmann- schaft vielfach ihre Verluste auf andere Weise, z. B. durch das glänzend aufblühende Assekuranzgeschäft, wettzumachen. Auch die hanseatischen Staatskassen hatten wieder bluten müssen. Da die hannoverschen Revenuen nicht ausreichten, um die französische Okkupationsarmee zu unterhalten, erzwang man von den Städten eine Anleihe von über 6 Millionen Livres. Die Zukunft der Städte schien unsicherer denn je, und Gewaltstreiche Napoleons, wie die Aufhebung des englischen Gesandten Rumbold in Hamburg <1804), führten ihnen deutlich genug vor Augen, wessen sie sich von ihrem „Protektor" zu versehen hatten. Noch immer aber hofften sie, daß die Eifersucht der Großmächte ihnen den Verlust ihrer Unabhängigkeit ersparen werde. Der ziemlich plumpe Er pressungsversuch Talleyrands und Bouriennes, des neuernannten