25 Tausch und Wert. Tausch vom Gegengeschenk herkommt, entartet er manchmal letzten Endes zum gegenseitigen Diebstahl, aber das ist etwas anderes: wir werden das weiterhin finden. Der Augenblick, in dem der eigentliche Tausch in die Erscheinung getreten ist, ist wirklich ein feierlicher Augenblick in der Kulturgeschichte. Der Wert. Denn folgendes wird sich vollziehn: Jedes von einem Menschen erworbene Besitztum — sagen wir jeder Reichtum, da er auch in noch so geringer Gestalt Anspruch auf diesen Namen hat •— jeder Reichtum also wird nunmehr einen zwiefachen Charakter annehmen. . Er wird in erster Linie bleiben, was er anfangs gewesen ist, ein Mittel zum Genuß, zur Bedürfnisbefriedigung, wie es das lateinische Wort bona (Güter) so gut ausdrückt, oder wie die Engländer sagen goods (was gut ist). Aber außerdem wird er einen neuen Charakter annehmen: er wird ein Werkzeug zum Erwerb werden, das seinem Be sitzer erlaubt, sich im Wege des Tauschs zu verschaffen, was er wünscht: seien es nun andere Güter, sei es gar die Arbeit seinesgleichen, die Dienste derjenigen, die nicht das betreffende Gut besitzen. Und der zweite Charakter zeigt das Bestreben, das Über gewicht über den ersten mit steigender Kultur zu gewinnen. Um ein Beispiel anzuführen: man braucht sich in einer primitiven Gesellschaft nur das hauptsächlichste Gut vorzu stellen, das Getreide. Der Mensch, der seinen Speicher damit angefüllt hat, kann diesen Reichtum unter dem doppelten Gesichtspunkt ansehn, den ich soeben dargelegt habe. Er kann sich wie der Reiche im Evangelium sagen: „Seele, du hast reichen Vorrat auf viele Jahre; habe gute Ruhe, iß und trink, und laß dir's wohl sein". Aber er kann sich auch sagen: „Dies Getreide will ich dazu verwenden, um andere für mich arbeiten zu lassen. Die jenigen, welche kein Brot haben, werden nur zu glücklich sein, meines zu nehmen und mir dafür ihre Arbeit liefern. Sie werden für mich arbeiten, sie werden meine Diener sein". Es ist also eine Macht, die der Reichtum dem Tausch ver dankt. Und diese Macht ist durch ein Wort gekennzeichnet, das wichtigste in der ganzen Volkswirtschaft: das Wort Wert. Man wendet sogar manchmal dieses Wort Wert in dem ersten Sinne an, den ich soeben dem Wort Gut gegeben habe, aber das ist ein wirtschaftlicher Irrtum — ich möchte fast sagen, ein Fehler der Muttersprache. Wenn die Volkswirt-