26 Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre. schaftler es gebrauchen mit Bezug auf die Genußgüter, so verbessern sie sich lieber und sagen „Gebrauchswert"; aber wenn man sagt „Tauschwert" oder einfach „Wert", so läßt sich das nur auf den zweiten Sinn des Wortes Gut anwenden, und darin liegt ein wesentlicher Unterschied. Es gibt Güter, die vollkommen den Namen Güter in dem Sinne verdienen, daß sie für ihren Besitzer einen unendlichen Nutzen haben, die aber anderseits keinen Tauschwert haben. Für den Kurzsichtigen hat sein Augenglas einen Nutzen allererster Ordnung; indes ist sein Tauschwert gleich null; denn selbst wenn man zugibt, daß er es für ben Einkaufspreis wiederverkaufen könnte —■ was wenig wahrscheinlich ist — so ist es doch auf alle Fälle ein Preis, der durchaus nicht den durch den etwaigen Verkauf erlittenen Schaden ausgleichen wird. Welchen Nutzen hat nicht ein Holzbein für einen Amputierten, und doch was wird sein Tauschwert sein? Dies Wort „Wert" ist also ein so vieldeutiges Wort, daß die Volkswirtschaftler seit Jahrhunderten, seit Aristoteles daran herumgrübeln, ohne daß sie es bis jetzt gut erklären konnten, oder wenigstens ohne daß sie eine sie befriedigende Erklärung hätten geben können. Ich erhebe also nicht den Anspruch darauf, den esoterischen Sinn des Wertes ausein anderzusetzen, sondern den gemeinhin verstandenen, den landläufigen. Nun kann man ihn in einem Wort zusammen fassen: es ist die Kaufkraft, was darauf hinausläuft, daß das, was den Wert ausmacht, viel weniger der Wunsch dessen ist, der ihn besitzt, als der Wunsch derer, die ihn nicht besitzen, die ihn begehren, die ihn erwerben möchten, und die geneigt sind, alles mögliche für seinen Besitz herzugeben. In diesem Falle hat der Gegenstand, den ich besitze, einen großen Wert; dieser läßt sich an der Stärke des Wunsches des andern messen; er erlaubt, auf die anderen einen Druck auszuüben, der im Verhältnis zur Stärke dieses Wunsches steht, und er erlaubt gleichzeitig von ihm alles mögliche zu verlangen, damit er den von mir besessenen Wert erwerben kann. Reicht man einem Hund ein Stück Zucker und sagt man ihm „Mach schön", so macht er alle möglichen Kunststücke, um es zu bekommen. Der Wert hat dieselbe Wirkung auf die Menschen. Es ist also der Wunsch des andern, der den Wert bildet. Es liegt also eine Art unsittliche Wurzel im wirtschaft lichen Wert. Denn wenn der wirtschaftliche Wert das ist, was uns erlaubt, eine Herrschaft über einen andern auszuüben dadurch daß man auf das durch diesen Wert bei ihm erweckte