Tausch und Wert. 27 Begehren spekuliert, wie verschiedener erscheint er von dem, was man die sittlichen Werte nennt! Man darf sich nicht durch den Gleichklang desselben Wortes täuschen lassen: die sittlichen Werte haben das Herrliche an sich, daß sie sich allen ohne Entgelt mitteilen können und daß alle sie genießen können, ohne daß der, der sie besitzt, ihrer beraubt würde. Der Handel. Der Tausch in Form des Tauschhandels bleibt so lange ein Ausnahmefall, wie keine anderen Umstände vorhanden sind, die sein Tätigkeitsfeld zu erweitern streben. Damit der Tauschhandel des Wilden sich in jene regelmäßige Tauschbewegung verwandelt, die man Handel nennt, muß man durch eine Reihe Etappen durchgehn, die ich sehr schnell aufzählen will. Ganz zuerst muß, damit der Austausch allgemein wird, jenes Widerstreben gegen die Entäußerung vom Besitzgegenstand, ­ von dem ich eben gesprochen habe, verschwinden. Wie wird das vor sich gehn? Dieser Widerstand wird mit dem Tage verschwinden, an dem gewisse Gegenstände nicht mehr in der Absicht erzeugt werden, sie zur Befriedigung der Bedürfnisse ­ des Erzeugers zu behalten, sondern ganz im Gegenteil, ­ in der Absicht, sie auf dem Wege der Weitergabe loszuwerden. Nun heißt dieser Zustand, wo der Mensch nicht mehr arbeitet, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen sondern im Hinblick auf die Bedürfnisse anderer — Gewerbe, oder wenn man will, Beruf. Wenn man ein Kind, das noch nichts von der Welt weiß, in einen Bäckeroder ­ Schusterladen führt, wird es ausrufen: „Was kann der Mensch mit all diesen Broten oder all diesem Schuhzeug machen? wenn er einige hätte, würde er doch genug haben". Dann muß man ihm auseinandersetzen, daß der Bäcker diese Brote nicht backt, um sie zu essen, und der Schuster das Schuhzeug ­ nicht herstellt, Um es selbst anzuziehn. Er macht sie, um sie auszutauschen und dadurch die von ihm benötigten Besitztümer ­ zu erwerben. Das Handwerk ist ein Umweg. Anstatt wie der Naturmensch, der für seine eigenen Bedürfnisse arbeitet, für sein Brot, seine Kleidung zu arbeiten, sagt sich der Kulturmensch: „Ich will für Bedürfnisse produzieren, die mich gar nicht interessieren, die mir aber das Mittel bieten werden, meine eigenen Bedürfnisse auf eine- vorteilhaftere Weise zu befriedigen, als wenn ich versuchen würde, sie direkt zu befriedigen". ­ Das nennt man, ein Handwerk ergreifen, oder einen Beruf, oder wenn es ein schöner Beruf ist, eine Laufbahn.