Das Geld. 33 So kommen wir also durch viele Verwicklungen zur Vereinfachung. ­ So ist es übrigens oft bei den sozialen Wirtschaftsproblemen. ­ Man muß sehr komplizierte Apparate haben, um eine einfache Arbeit zu bekommen. Das Geld. Wir haben schon wiederholt das Wort Geld ausgesprochen, einen der wichtigsten Begriffe der Volkswirtschaft. ­ Es steckt im Gelde etwas Geheimnisvolles, Magisches. Ich erinnere mich sehr deutlich, daß dieses Mysterium des Geldes in meiner Gymnasialzeit zuerst meine Aufmerksamkeit auf die Volkswirtschaft gelenkt hat, und ich sehe noch die Stelle vor mir, wo dieser Gedanke mir gekommen ist. Da ich als Kind ganz erfüllt war von den Märchen und die Geschichte Aladins und der Wunderlampe auswendig kannte, jener Lampe, die man nur zu reiben brauchte, um alle Reichtümer zu bekommen, sagte ich mir: aber mit Geld kann man alles, was die Lampe gab, bekommen: üppige Mahlzeiten, Edelsteine, Königspalast, schwarze oder weiße Sklaven — soviel ­ man will — und selbst die Hand der Prinzessinnen. Das Kind weiß bald, daß man mit „ein paar Pfennigen" sich das, was man wünscht, verschafft. Vom Standpunkt der Kinderpsychologie würde es interessant sein, das Alter zu bestimmen, ­ in welchem das Kind nicht mehr bloß sich an einem Geschenk in natura, einer Arche Noah oder einer Puppe erfreut, ­ sondern die gleiche oder gar eine größere Freude empfindet, wenn es ein Silber- oder Goldstück bekommt, heutzutage ­ eine Banknote — und zu sich selbst sagt: „Damit kannst Du dir kaufen, woran Du Lust hast". Die Wilden haben auch nicht sogleich dieses Gefühl. Es gibt Stämme, bei denen das Angebot von Geld, sogar von Gold, gar nichts bedeuten würde, und bei denen man Gegenstände ­ iu natura geben muß. So ist es in diesem Augenblick bei den russischen Bauern: sie geben ihre Bodenerzeugnisse nur gegen Fertigwaren her und lehnen das Geld ab; in der Tat ist das Geld, das man ihnen anbietet, nicht verführerisch. Wie kann man diese Macht des Geldes erklären? Der erste Grund ist, wie ich soeben gesagt habe, daß es das allgemeine Werkzeug des Tausches ist, das besagt mit andern Worten: derjenige, der das Geld hat, weiß, daß er im Austausch alles, was er begehrt, haben kann, wenn er sich «nicht gerade in der Wüste oder in irgendeinem „kleinen Nesm Gide, Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre. 3