Das Geld. 39 Wenn wir in der Bibel lesen, daß Abraham oder Hiob sehr reich waren, daß sie große Schafherden und sehr viele Knechte hatten, so sagt uns das nicht viel über ihr Vermögen. Wäh rend wir hingegen heutzutage auf den Pfennig genau wissen, welches das Vermögen eines x-beliebigen Mitbürgers ist. Der Fiskus weiß es auch, und das ist sehr gut für ihn; denn was würde er tun, wenn er nicht ein Präzisionsinstrument besäße, mit dem er die Einkommensteuern berechnen kann? Und nicht nur für den Fiskus ist diese Messung unentbehrlich; sie ist es auch für jeden „Geschäftsmann". Was tut der Kaufmann? Er berechnet nach seinem Buche den Einkaufspreis seiner Ware, dann den Verkaufspreis: er berechnet den Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen — und der Unterschied bildet seinen Nutzen oder Gewinn. Ohne das Geld ist die Ermittlung des richtigen Preises unmöglich, und ich verstehe richtigen Preis nicht nur im arithmetischen Sinne, wie wenn man sagt: die Rechnung ist richtig — ich verstehe es im moralischen Sinn. In den afrika nischen Ländern, wo dieses genaue Geldmaß noch nicht existiert, wo man noch beim Tauschhandelssystem ist, kann der Handel nur vor sich gehn, indem man gewaltige Unterschiede zwischen dem Einkaufs- und Verkaufspreis macht, d. h., indem man die Waren drei oder viermal über ihren Wert verkauft. Und wenn die Schwarzen Opfer der schamlosesten Ausbeutung lind, so ist daran teilweise der Mangel an Geld schuld, das die Festsetzung eines richtigen Preises gestatten würde. Pie Einführung des Geldes bedeutet für sie eine Befreiung. Das Papiergeld. Was macht den Wert des Geldes? Ich habe soeben auseinandergesetzt, aus welchen Gründen das Goldgeld den anderen Gütern überlegen ist — weil es erlaubt, alles, was man sich wünscht, zu erwerben, weil es erlaubt, die Arbeit anderer zu beherrschen und weil es von persönlicher Arbeit befreit, weil es gestattet, ins Unendliche den Wert auf zuspeichern — das versteht sich! Aber warum besitzt es alle diese Eigenschaften? Ich habe gesagt, daß Gold und sogar Silber als Geld ausgewählt worden seien, weil sie schön waren und zu allen Zeiten den Gegenstand menschlicher Wünsche gebildet hatten, sowohl als Schmuck für die Frauen wie als Kronen für die Könige. Es ist noch ebenso in jenen orientalischen Ländern, in denen das Gold- oder Silberstück zugleich als Tausch- und Schmuckmittel dient, und wo die Mitgift der Mädchen aus