67 Pacht und Leihen auf Zins. Warum sollen wir uns heute über das Schicksal der Geld entleiher aufregen? Sollten wir einen Feldzug unternehmen, wie etwa die Kirchenväter, wie Proudhon, und die Unentgelt lichkeit des Kredits fordern zum Nutzen der Banque de France? oder der Suezkanalgesellschaft? oder der Royal Dutch? Allenfalls könnte man von uns, wo es sich um den Staat handelt, unentgeltliches Geldleihen verlangen, weil so viele andere während des Kriegs ihr Blut und ihr Leben unent geltlich hergegeben haben — das ließe sich noch halten, wenn gleich man es übrigens für klüger hält, es nicht zu wagen. Aber wenn man von uns verlangte, umsonst an Eisen bahn- oder Bergwerksgesellschaften, an Judustriegesellschaften, zu leihen bloß zu dem Zwecke, ihnen die Verteilung größerer Dividenden zu ermöglichen oder den Kurs ihrer Aktien an der Börse höher zu bringen, so wäre das im höchsten Grade komisch. Das ist ein treffendes Beispiel für die Art und Weise, in der sich die wirtschaftlichen Probleme im Verlauf der Geschichte entwickeln. Die Miete. Wenn nun auch die Frage der Pacht und die des Zinsnehmens erledigt sind, so bleibt doch eine dritte Frage, die ganz nahe mit ihnen verwandt ist, und die doch dringender als je geworden ist: die der Hausmiete. Hier hat man umgekehrt ein seltsames Beispiel für eine Frage, die einst nicht vorhanden war und die sich heutzutage mit furchtbarem Ernst aufdrängt. Infolge des Entstehens großer städtischer Mittelpunkte sind die Häuser ein Monopol geworden, während die Kapitalien es nicht mehr sind. Und für sie wird folglich, wie einst für das Geld, die Hausmiete „wucherisch", so daß man sich fragt, ob man nicht auf sie das Gesetz des Höchstpreises anwenden muß, das man soeben für das Mieten des Geldes abgeschafft hat. Aber eine solche Maßnahme würde nicht wirksamer sein, als die Gesetze gegen den Wucher waren. Im Gegenteil: sie würde das Übel verschlimmern, indem sie die Lust zum Bau ; der Mietshäuser, der „Zinshäuser", wie man sagt, den Leuten nehmen würde. Es würde alle Nichthausbesitzer in die un angenehme Notwendigkeit versetzen, sich für sich ein Haus bauen zu lassen, wenn sie wohnen wollen, und das würde noch eine schwerere Belastung sein. Ich sehe nur zwei Lösungen für die Mietsfragen. Die erste ist eine Bevölkerungsverminderung, wenigstens in den