73 Lohn und Gewinn. eigentum ersetzt wurde, mit dem Tage mußte der Eigentümer jemanden suchen, der für ihn arbeiten wollte; und er hat ihn nicht leicht gefunden; denn in den Anfängen einer Gesellschaft, da, wo es verfügbares Land für jeden, der es haben will, gibt, da, wo die Kapitalien noch wenig Wert besitzen, und wo jeder beliebige Arbeiter sich sein Netz, seinen Bogen oder gar den Holzpflug selbst machen kann, der ihm die Produktion aus eigene Rechnung ermöglicht — in einer solchen Gesellschaft hat niemand Lust, sich in den Dienst eines andern zu begeben. Übrigens braucht man gar nicht zu den Anfängen der menschlichen Gesellschaft zurückzugehn: wenn man sich in neu erschlossene Länder versetzt, in Kolonien, auch da ist die Frage der Beschaffung der Arbeitshände sehr drückend für die Kolonisten, ­ zum Beispiel augenblicklich in Tunis. Was haben in dieser Lage die primitiven Eigentümer getan, um sich die Arbeit anderer zu verschaffen? Sie haben die Sklaverei erfunden. ­ Sie haben sich durch Eroberung die zur Bebauung ihres Landes erforderlichen Arme beschafft. Es ist das ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Und es hat sich aus denselben Ursachen in den Kolonien wiederholt. Als in Amerika die Eigentümer in den Bereinigten Staaten ihre Ländereien anbauen wollten, suchten sie sich Sklaven in Afrika; das war die zweite Phase der Sklaverei, die schwarze Sklaverei. Und sogar nach Abschaffung der Sklaverei in den Kolonieen ist diese in manchen Kolonieen durch Einstellung der Kulis ersetzt worden, und das ist die gelbe Sklaverei. Aber wir wollen dieses Wiederaufleben der Sklaverei im Kolonialsystem ­ beiseite lassen und zu dem Augenblick zurückkehren, in dem sich die antike Sklaverei zugleich mit dem römischen Weltreich ­ auflöste. Wird der Arbeiter dann frei werden? Noch nicht auf dem Lande, wo er noch unter dem Joche der Leibeigenschaft ­ bleiben wird, die nur eine gemilderte Sklaverei darstellt. Aber in den Städten wird er eine verhältnismäßig glückliche, aber kurze Zeitspanne durchleben, ein lichtvolles Zwischenspiel sozusagen in der Geschichte der Arbeit, obgleich man immer von der Finsternis des Mittelalters spricht — es ist die Zeit des „Handwerkers", der sein Handwerkszeug selbst besitzt und nicht nötig hat, Lohnarbeiter in seinen Dienst zu nehmen oder es gar selbst zu werden. Aber diese Periode hat nicht lange gedauert — etwa fünf bis sechs Jahrhunderte — weil einerseits die befreiten oder in die Städte geflohenen Leibeigenen ein neues Proletariat bildeten, und weil anderseits die zur Produktion erforderlichen