83 Wettbewerb und Zusammenarbeit. Nützlichste und Erwünschteste ist? Dank dem Begehren nach Gewinn werden also die dringendsten Bedürfnisse gerade am ehesten befriedigt. 3. Zwar könnten dieser Eigennutz und dieses Streben nach Gewinn als Erfolg die Übertreibung der Gewinne und die Ausbeutung des Verbrauchers haben, wenn der Produzent oder Händler allein in der Welt wäre, anders ausgedrückt, wenn er ein Monopol (mono8 heißt allein) hätte, aber diese Gefahr wird unter dem System des freien Wettbewerbs unterdrückt. Wenn der Wettbewerb wirklich frei ist, so befindet sich jeder Erzeuger oder Händler auf dem Markt anderen Produzenten gegenüber, die nicht weniger als er zu verkaufen wünschen und die einander überbieten, die Käufer anzulocken. Dieses Überangebot hat notwendigerweise den Erfolg, die Preise zu drücken und den Gewinn durch einen Druck einzu schränken, der so lange anhält, bis die Verkaufspreise auf die Höhe des Gestehungspreises herabgedrückt sind, in welchem Falle der^ Gewinn aus Null heruntergeht •— was daraus hinausläuft, daß der Wert jedes Erzeugnisses das Streben hat, sich nach der Arbeits- und Unkostenmenge zu regulieren — und das ist gerade das Ideal von Gerechtigkeit, das der Sozialist und der Anhänger der Kooperation durch viel verwickeltere und unwirksamere Systeme zu verwirklichen trachtet. So werden also dank dem Wettbewerb die persönlichen Interessen gegenseitig in Schach gehalten, die Preise werden auf eine gerechte Höhe gebracht und die Gewinne auf einen Minimalsatz: Wohlfeilheit und Gerechtigkeit sind mit einem Male verwirklicht, und das „jeder für sich" wandelt sich wohl oder übel in ein „jeder für alle" um. Unbestreitbar steckt in diesem Bilde, das man in mehr oder weniger rosigen Farben in fast allen Werken der klassi schen Nationalökonomie^) findet, ein Körnchen Wahrheit, und une sollten in der Tat jene menschlichen Gesellschaften mit ihren kaum veränderlichen Charakteren bestehen können, wenn es nicht eine natürliche Ordnung gäbe, die ihr Geschick leitet? Aber es liegt augenscheinlich auch ein Teil Illusion darin; denn die Unzufriedenheit der Massen wächst unaufhörlich und bedroht in diesem Augenblick Europa mit einer Revolution. Wir wollen daher herauslösen, was man von der gegen- >) Hier seien nur ausgeführt: Die wirtschaftlichen Harmoniern (LesHarnonles Econom'iques) von Bastiat; Die Naturgesetze der Volkswirtschaft (Uns Lois naturelles de l’Economie Politique) von Molinari — und »»lerer Zeit näher: Die Sittlichkeit des Wettbewerbs (l.a Morale de la Concurrence) von UveS Guyot. 6*