44 Textilindustrie Deutschlands. zutreffend äußert sich der Sachverständige F. R. Mason in einem Bericht „The american Silkindustrie and the tarif“ *) wie folgt: „Arbeitsparende Maschinen kommen bei der Seidenraupenzucht nicht in Betracht, es gibt daher hier nichts, was die niedrigen Löhne, die in der Industrie in Europa und Asien gezahlt werden, ausgieicht. Selbst wenn aber Kokons in den Vereinigten Staaten gezüchtet werden könnten, so könnte sich schwerlich eine lohnende Seidenspinnerei dort aufbauen lassen. Denn alle vorhandenen Maschinenverbesserungen sind in den anderen Ländern ebenfalls in Anwendung, neue werden dort sofort ein geführt und verbilligen noch weiter das von dort beziehbare Rohmaterial. Immerhin ist mit Hilfe weiterer Erfindungen vielleicht eine Besserung zugunsten einer amerikanischen Konkurrenz theoretisch möglich. Aber einheimische Spinnereien ohne einheimisches Rohmaterial (Kokons) sind undenkbar. Eine einheimische Seidenraupenzucht kann sich aber so lange nicht entwickeln, als nicht entweder die Rohstoffpreise eine schwin delnde Höhe erreichen oder aber die Arbeitslöhne in der Union auf den Stand der Löhne gesunken sind, die in den jetzt die Rohseide produzieren den Ländern an die niedrigsten Arbeiter gezahlt werden.“ Viel aussichtsvoller erscheint es, die Rohseideneinfuhr durch eine stärkere Verwendung der im Lande hergestellten Kunstseide zu bekämpfen. Während die Welterzeugung an Rohseide im Jahre 1912/13 33788t betrug, stellte die Kunstseidenindustrie im Jahre 1913 16515 t Kunstseide her, und zwar in Deutsch land allein 3810 t. Die Fortschritte der Kunstseidenindustrie sind auch in quali tativer Richtung so wesentlich, daß mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden kann, daß ein großer Teil der natürlichen Seide in viel stärkerem Maße als bisher durch Kunstseide zu ersetzen sein wird. Für Rohjute wurden im Jahre 1913 90 Mill. Mark verausgabt. Der Ersatz von Rohjute durch Papiergarn, Textilose, hat während des Krieges große Fort schritte gemacht. Es handelt sich hier durchaus nicht allein um ein Ersatz produkt des sogenannten Notstandes, sondern erscheint vielmehr fraglos, daß die Papiergarne auch nach Eintritt normaler Verhältnisse der Jute einen großen Teil ihres Verwendungsgebietes streitig machen werden. Halbfabrikate. Die Ein- und Ausfuhr an Halbfabrikaten im Jahre 1913 beträgt: Einfuhr Ausfuhr in Deutschland 389 Mill. Mark 205,3 Mill. Mark „ Großbritannien 123,6 „ 1156,2 „ „ Frankreich 51,5 „ 317,9 „ b Berichte über Handel und Industrie 1912, S. 152.