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        <title>Die Textilindustrie sämtlicher Staaten</title>
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China. Produktion. 
Die erste moderne chinesische Baumwollspinnerei wurde im Jahre 1891 mit 
ausschließlich chinesischem Kapital und unter chinesischer Leitung gegründet. Von 
1896 bis 1898 wurden weitere 11 Spinnereien errichtet, welche teils mit chinesischen, 
teils europäischen und teils auch gemischten Kapitalien arbeiteten. Im Jahre 1900 
beliefen sich die chinesischen Spinnereien auf 15 mit insgesamt 500 000 Spindeln, 
von welchen 5 Betriebe unter europäischer Leitung standen. Im Jahre 1913 war 
die Zahl der Baumwollfabriken auf 31 gestiegen mit insgesamt 833112 Spindeln und 
3758 mechanischen Webstühlen. Von diesen 31 Fabriken befinden sich 12 in Schang 
hai, welches so das chinesische Baumwollindustriezentrum geworden ist, während 
sich die anderen auf Chankow, Ningpoo, Tungchou usw. verteilen. Erwähnenswert 
ist noch, daß alle diese Fabriken bis 1912 keinen Gewinn aufzuweisen hatten. 
Nach einer anderen etwas abweichenden Darstellung gab es im Jahre 1912 
in China, und zwar hauptsächlich in Schanghai und Umgebung 34 Fabriken mit 
947406 Spindeln und 4755 Webstühlen. Je nach Nachfrage und Geschäftsgang 
liefern die Spinnereien im Jahre 500 000 bis 750 000 Ballen Garne. Ein Web 
stuhl liefert im Jahre 300 Stück, ä 40 Yards, wonach die 4755 Stühle im Jahre 
l 426 500 Stück Gewebe produzieren würden. 
Die Garne werden zum Teil an die Landleute für ihre Webstühle verkauft. 
Außerdem werden jährlich über 100 000 t rohe Garne eingeführt, da der Bedarf 
an Baumwollgeweben ein sehr großer ist. 
Wollindustrie. Die Wollindustrie ist in China nicht bedeutend, immerhin 
bestehen 6 Webereien und 11 Wollwaschanstalten. Hergestellt werden Militär 
tuche, Regenmäntel und moderne Zeremonienkleider. 
Seidenindustrie. Diese ist als Hausindustrie stark verbreitet und dem Gewerbe 
der Seidenweber kommt eine hervorragende Stellung zu. Sie ist die älteste In 
dustrie des Landes und hatte beim Auftreten der Baumwollgewebe alles auf- 
geboten, damit diese zurückgedrängt werde. Angaben über die hergestellten 
Mengen sind nicht vorhanden. Die Seidenstoffe werden im größten Maße für 
Frauen- und Männerkleider benutzt, und die reicheren wie auch die mittleren 
Kreise legen Gewicht darauf, seidene Gewänder zu tragen. Vielfach werden die 
Seidengewebe aus Rohseide in ungefärbtem Zustande hergestellt. 
Leinen- und Ramieindustrie. Vor Auftreten der Baumwolle war die Herstellung der 
Leinengewebe als Hausindustrie stark verbreitet, während dies jetzt nur noch in ge 
ringem Maße der Fall ist. Dagegen werden Ramiegewebe als sogenannte „graß 
cloth“ in größeren Mengen hergestellt, und zwar als glatte, bestickte oder durch 
brochene Gewebe. Ein großer Teil dieser Gewebe wird nach Korea ausgeführt, 
wo die weißen Ramiegewebe zur Herstellung langer weißer Gewänder dienen. 
Einfuhr von Textilwaren in China. 
Baumwollgarne. Diese bilden den stärksten Einfuhrartikel, der trotz der 
vorhandenen Spinnereien noch im Zunehmen begriffen ist. Der Hauptlieferant 
war früher Britisch-Indien, doch macht in den letzten Jahren die Einfuhr aus</div>
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