60 Verkehrsleben einfach nur Stadtteile des letzteren bilden. Ihr Straßen netz geht unvermittelt in das Straßennetz von Berlin über. Charlottenburg und Schöneberg sind im wesentlichen nur Aussttahlungen von Berlin-West, und eine Anzahl ihrer Postämter gehören auch demgemäß zum Zentralamt dieses Stadtteils. Rixdorf bildet die Verlängerung des Südostens, Box hagen, Friedrichsberg, Rummelsburg sowie Lichtenberg mit Nebenorten die des Ostens von Berlin, Pankow und Reinickendorf wachsen mit den nördlichen Stadtteilen Berlins zusammen, und Weißensee ist nur noch durch einen ganz schmalen, sich immer mehr verengernden Streifen unbebauten Bodens vom Nordosten Berlins getrennt. And nicht nur, daß diese Orte mit Berlin verwachsen sind, gliedern sich an ihre Verlängerung von Berlin hinweg wieder andere Orte an, die vordem isoliert liegende Dörfer und Flecken waren, nun aber gleichfalls in rascheres Wachstum eingetreten sind. Ähnliches gilt auch von den meisten Orten, die zwischen den genannten großen Ausstrahlungen Berlins liegen. In der ganzen Amgebung dehnt und reckt es sich. Lier werden frühere Dörfer zu Wohnkolonien für bestimmte Schichten des bessergestellten Bürgertums mit ihrem Anhang, dort erstehen in Masse Wohnquartiere für Kleingewerbetreibende, Beamte und die um Lohn arbeitenden breiten Volksklassen, und einige dieser Orte entwickeln sich zugleich zu Produktions stätten von Bedeutung. Bis über den zweimeiligen Amkreis von Berlin hinaus sind aber alle Orte in der einen oder andern Weise organisch mit der Hauptstadt verbunden, die so einem Polypen mit immer weiter sich ausstreckenden Fangarmen zu vergleichen ist. Was von den Fangarmen erfaßt wird, hört auf, ein Organismus für sich zu sein und bezieht sich in seinen Lebensäußerungen immer stärker auf Berlin als Zentralkörper, der rückwirkend seinerseits aber auch in immer größere funktionelle Abhängigkeit von jenen Außenteilen gerät, ohne sie in seiner jetzigen Gestatt nicht atmen, sich nicht >nehr lebenskräftig regen könnte. Anter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Zusammengehörigkeit ist daher als Berlin nicht mehr nur die diesen Namen tragende Stadtgemeinde zu ver stehen, sondern mit ihr das ganze Konglomerat von großen und kleinen Orten, das im meilenweiten Amkreise um sie herum sich gruppiert. Soweit ein zwei Meilen fassender Radius vom Zentrum aus es umschreibt, wird es heute von der Statistik als das größere oder Groß-Berlin bezeichnet und hatte 1905 eine Bevölkerung von 3201849 Seelen. Rechnet man dagegen zur Stadtgemeinde Berlin die beiden Reichstagswahlkreise hinzu, die Berlin umgeben, nämlich die Wahlkreise Niederbarnim und Teltow- Becskow-Storkow-Charlottenburg, so erhält man ein Groß-Berlin, das 1905 3,3 Millionen Seelen umfaßte. And dieses, nicht nur den ehemaligen weiteren Polizeibezirk Berlin, sondern auch das Groß-Berlin der statistischen Ein teilung an geographischer Ausdehnung und Bevölkerungszahl noch über treffende Gebiet wird in der hier zu behandelnden Zeit für eine Anzahl politischer Zwecke das Groß-Berlin der Sozialdemokratie. Wenn aber aus dem Groß-Berlin der Polizeiverwaltung und auch aus dem Groß-Berlin der Statistik Orte weggeblieben sind, die wirtschaftlich noch zu Berlin gehören, so umfaßt dagegen das sozialdemokratische Groß- Berlin eine Reihe von Ortschaften, die mit der Lauptstadt in keiner wesentlich anderen Beziehung stehen, wie irgendwelche sonstige Ortschaft der Monarchie.