— 154 — weg zu beschreiten, und wiederholte die Betonung des Kampfes für das Stimmrecht der Frauen. Den Schluß der Parteikonferenz bildete ein ausführliches ­ Referat von Leo Arons über die Landtagswahl in der Provinz Brandenburg, das eine Reihe von Leitsätzen vorschlug, denen die Konferenz mit großer Mehrheit zustinnnte. Die Beschlüsse des Dresdener Parteitags der deutschen Sozialdemokratie ­ in bezug auf die Frage der Mitarbeiterschaft und die revisionistischen Tendenzen sind bekannt. Sie fanden in Berlin in allen Wahlkreisen die Zustimmung der großen Mehrheit der Parteimitglieder. Zuerst nahmen — am 24. September — die weiblichen Parteigenossen zu ihnen Stellung, die durchaus bejahend ausfiel. Die Versammlung beschloß weiterhin, an Stelle des sozialdemokratischen Frauenwahlvereins für die Reichstagswahl, der bis auf 938 Mitglieder angewachsen war, nunmehr, nachdem die Reichstagswahl vorüber, einen sozialdemokratischen Frauenwahlverein ­ für die Landtagswahl treten zu lassen. Am 29. September 1903 fanden die Versammlungen der einzelnen Wahlkreise ­ Berlins statt, in denen über den Dresdener Parteitag Bericht erstattet wurde. Sie nahmen meist einen noch erregteren Verlauf, als die am Vorabend des Parteitags abgehaltenen Versammlungen. Wie die Debatten in Dresden einen weit heftigeren, weit verbitterteren Charakter getragen hatten, als man vorausgesehen hatte, so fiel nun auch ihr Nachhall in Berlin aus. Besonders ­ stürmisch verliefen die Debatten im zweiten Wahlkreis, wo August Bebel Mitglied war und — da mehrere Versammlungen stattfinden mußten — wiederholt zu längeren, von starker Leidenschaft erfüllten Reden das Wort nahm. Vergiftend spielte in die Debatten hinein die Rückwirkung von Artikeln Maximilian Lardens über seine sozialdemokratischen Mitarbeiter, in denen diese der Anwahrhastigkeil und aller möglichen sonstigen moralischen Mängel geziehen wurden. And um die Mißstimmung in der Berliner Sozialdemokratie aufs höchste zu steigern, entspann sich im „Vorwärts", der die Artikel Lardens aus Verlangen reproduziert hatte, im Anschluß an alle diese Dinge eine endlose Zeitungsfehde in Gestalt von Einsendungen, die sich auf persönliche Angelegenheiten bezogen. Es herrschte eine gegenseitige Gereiztheit vor, die an die schlimmsten Zeilen des Bruderzwistes zwischen Lassalleanern und Eisenachern erinnerte. Die Agitation für die Landtagswahlen, die im Novenibcr 1903 stattfanden und bei denen in Berlin so Glänzendes geleistet wurde, trug viel dazu bei, den üblen Eindruck jener Streitereien zu verwischen, aber es blieb doch ein Rest, der noch lange nachwirkte. Im Jahre 1904 fand in Berlin ein Kongreß für Leimarbeiter statt, zu dem die sozialdemokratischen Frauen und Mädchen am 8. Februar in einer großen Versammlung Stellung nahmen und Delegierte wählten. Ebenso gab der im Juni 1904 in Berlin versammelte und hauptsächlich bürgerlichen Charakter tragende Internationale Frauenkongreß den sozialdemokratischen Frauen Berlins Gelegenheit zu einer Kundgebung. Es geschah dies am 14. Juni in einer Versammlung, in der Lily Braun über Frauenstimmrecht und Sozialdemokratie referierte. Am 2. August behandelte eine große sozialdemokratische Versammlung, die im Feenpalast tagte, die Tagesordnung des nach Amsterdam einberufenen Internationalen ­ Sozialistenkongresses. Man wünschte von ihm nament-