156 wurde ferner mit Mehrheit der Antrag an den Parteitag gestellt, zum Verhalten Max Schippels in Zoll- und Landelsfragen Stellung zu nehmen und eventuell Schippels Ausschluß aus der Partei herbeizuführen. ­ Es bezog sich das auf einen Vortrag über Landelspolitik, den Max Schippe! im Dezember 1903 im Wahlverein des dritten Berliner Reichstagewahlkreiscs gehalten hatte. Schippe! hatte darin den Standpunkt der Zollfreunde in einer Weise dargestellt, die als eine Anerkennung der Zollpolitik ­ der Schutzzöllner erschien, und an diesen Vortrag, über den im „Vorwärts" an auffälliger Stelle berichtet worden war, hatte sich eine große Debatte geknüpft. Es wurde in den Zusammenkünften der Sozialdemokraten ­ Berlins sehr viel über ihn gesprochen, und auch in der Presse rief er eine lebhafte Polemik hervor. Die Stimmung der Mehrheit der Genossen war Schippe! überaus ungünstig, wenn auch viele einen Ausschluß ­ für eine zu starke Maßregel hielten. Man machte Schippe! namentlich ­ das zum Vorwurf, daß er, statt offen mit seinen Ansichten herauszurücken, ­ unausgesetzt in Wort und Schrift Material für die Gegner der von der Partei verfochtenen Handelspolitik zusammentrage. Eine Resolution, die in diesem Sinne gegen Schippe! wegen Zweideutigkeit scharfen Tadel ausspricht, fand auf dem Parteitag — Bremen — nach längerer Debatte eine große Mehrheit. Es mag hierbei erwähnt werden, daß im Jahre 1904 Ed. Bernstein, nachdem ihm im Anschluß an die Dresdener Vorgänge die Mitarbeiterschaft am „Vorwärts" gekündigt war, in Berlin eine sozialdemokratische Montagszeitung, „Das Neue Montagsblatt", ins Leben rief. Diese Gründung gab zu verschiedenen Besprechungen von Parteimitgliedern Anlaß. ­ Die Zentralinstanzen der Berliner Parteiorganisation, denen der Genannte ­ von ihr Mitteilung gemacht hatte, einigten sich auf eine Erklärung, daß sie das Blatt als eine Privatangelegenheit betrachteten, welche die Partei in keiner Weise berühre. Im Gegensatz dazu erklärten Ende April die Vertrauensmänner des Wahlkreises Berlin IV (Ost) auf Antrag von Ad. Loffmann, daß sie in der .Herausgabe der Zeittmg durch Ed. Bernstein ­ einen „Verstoß gegen die Interessen der Partei" erblickten und daher die Genossen aufforderten, die Zeitung „weder durch Abonnement noch durch Einzellauf zu unterstützen". Dieser Beschluß rief eine Gegenerklärung der Vettrauensleute der andern Wahlkreise Berlins sowie des Wahlkreises Berlin IV (Südost) hervor, worin betont wird, daß das Blatt Bernsteins kein Konkurrenzunternehmen gegen ein Parteiorgan sei und damit eine neutrale Laltung ihm gegenüber selbstverständlich sei. Dann heißt es weiter: „Ob ein Parteigenosse das Blatt durch Kauf oder Abonnement unterstützt, ist seine Privatangelegenheit, über die niemand zu bestimmen hat. Sollte sich die Sachlage ändern, so würden wir von neuem Stellung nehmen, haben aber zurzeit keine Veranlassung, „Befürchtungen" oder „Vermutungen" Rechnung zu tragen." Schließlich wird dann noch das Bedauern darüber ausgesprochen, daß die Verttauensmänncr von Berlin IV (Ost) als einzelne vorgegangen seien, statt ihre gegenteilige Anschauung einer Gesamtsitzung der Vertrauensmänner ­ vorzulegen. Das „Neue Montagsblatt" konnte sich indes nicht halten und stellte im November 1904 sein Erscheinen ein.