Das Attentat auf Las »ereins- „«-> Herfammlungsrechi. In ihrer Vereinigung haben von jeher vis Schwachen rrrrv Uukcrdvlltkien eines der wirksamsten Mttel erblickt, um ihre Roth in der Gegenwart lindern und um sich endlich einmal zu einer lichteren Zukunft emporzuringen. Schon vor Jahrhunderten kannten und beherzigten unsere Voreltern die Lehre, daß wohl ein Knabe einen einzelnen Pseil zu zerknicken und zu zerbrechen vermag, "aß aber ein Bündel von Pfeilen selbst von einem Riesen nicht einmal gebeugt, geschweige denn zerbrochen werden kann Die Herrschenden und von der Unterdrückung and Aurbcuttmg Lebenden haben freilich gerade aut diesen Gründen die Vereinigung der Schwachen von jkher gefürchtet und gehaßt und auf jede Mise zu vereiteln gesucht. Durch unse^ ganze Geschichte läuft es wie ein rother Faden: auf Seite der Schwachen der immer wieder mit neue» Stärke hervorbrechende Trieb zum brüderlichen Zukammcnschlleben — aus Seile der Herrschenden der immer wiederkehrende Versuch, dw Zusammenschluß der Schwachen zu verhindern und zu zersprengen. Man lagt, in srüheren Jahrhunderten habe vaü Weint Haudtverk, als es noch einen goldenen Boden hatte, wirthschafchich und politisch den Ton angegeben und das ganze öffentliche Leben nach seine,» Ingressen und Anschauungen gemodelt. Daß ist richtig. Aber auch die Handwerker der mittelalterlichen Städte haben sich erst gegen Rechtlosigkeit und Verfolgung «mporkSnipsen müssen, und sie haben bas durch ihre Organisationen, die Zünsie und Gilden, gethan. Diese bildeten, al« st« noch nicht verknöchert und überlebt waren. Kampforganisaltouen »es in den Städten aufblühenden und sich rasch vermehrenden Handwerks und sie erstrebten kehr bald größere politische Rechte kür ihre Mitglieder und die Falbststandigkei» nnd Freiheit zur Regelung ihrer wirthschaftlichen Verhältnisse. Die prtoiiegirlen Stadtherren. die Patrizier, die ihre Alleinherr. »Haft gesährdet sahen, iraien ihnen überall mit der ganzen zähm Verbissenheit entgegen, i til der alle Privilrgirten gegen den .Umsturz" ihrer Vorrechte kämpfen: Kaiser Friedrich Hl. verbot sogar für da« Reich all« diese Verein»:. Trotzdem wuchsen und gediehen sie. und Kaiser und Patrizier hatten bald nicht die Macht mehr, ble r J«9fgini0 einzudämmen und in ihrem aus der ganzm Linie stegreichcn Vordrängen auszuhallen. So brachen bi» mlllelalltrllchen Handwerker durch ihre Vereivignogerr in laugen und eidilienen Kämpfen dl, Zwingherrschast der allen adeligen und reichen Srschlcchier Heute herrscht dl« groß« Iuduftrtc, da» große Kapikai. von dem da« Handwerk mehr und mehr verdrängt worden ist. Doch auch unser Fabrikanten« thnrn Hai einst seine Vereine gründen und abwechselnd in verschiedene!» Klein, staaien sein« Wanbcrversamwluugen abhatten müssen, um gegen bi« elende Kleinstaaterei mtt ihren beengenden Fesseln aus «irthkcholtlichem und voll» lischein Gebiet sich avsznlehneu. '.Ind diese Auflehnung gegen die geheiligt, alte Krähwinkel«.Ordnung" haben damals dl, Regierungen genau so bekämpft, wte fte hent« Kia vereine und Veclvmmlungn, der Arbeiter befehden EU 1H40 dn filslgemdncT Deutscher Jndustrieverel» ,ur Wahrung der industitellen Interessen ,in der Istentlichm Dletnung und bei den Regierungen de» Zollvereins" gegründet wurde, verboten Preußen und Vaperv di« Bildung von Zwelgverdnen Di« Erstrrbung dncö vollständig «inhdiitchen WirthschastSgebieieS. üb« die Grenzen aller Kleinstaaten hinweg, ig de» liberalen Führen» dn Grsßindastd, lang- 8«** ol» .Umsturz" und Landesvcrca'.d ongerrch«! worden Wie damals bin emporkommenden Fabrikherren und großen Kauslcutev. so gehl k» henir den HtbcUeta. Dl« großen Kapitalisten herrschen heut« und wichen die hruttgen Zustünde in olle Ewigkeit unangetastet sehen. Die Arbeiter strelxw einer besseren WitthschaslSordnung zu. in der nicht nur alle Errungen, föaftcn des Großbetriebe« erhallen unb vermehrt werden wie bisher, sondern ln k«r auch alle Forlschrttt«. all« Eüi-rvermehrung den arbeit,ndeu Schichten, nicht ölo» dem Kapital zu Gut« kommen. Die Arbeite: wollen auch heule schon auS eigener Kraft ihr« Log- verbessern. Diesen Verlust seiner uneingeschränkten Dorrechie kstrchiet das Kapital, und da di, Vervirx» ustd W-niserii'nlungev eines ba te.lchtiast.'N Mittel kür deu Aufun-m-na-üinL l>L> ISt&tiieK Kad, darum sind den» i vereinSrecht fast in allen Elkzelsiaar?- DaüfchlanbS «ich hsps nach, vis Fwgel beschnitten und selbst die kläglichen Neste sucht man vvch rvelres verstlirrrmela. Die deutschen Arbeiter haben allerdings feit dem Norddeutsche» Bunde «cf dem Papier btt volle KoalilioriSsrcihclt, die ihnen den g-m-inssmen Kampf um HSHere Löhne und kürzere ArbellSzett, um menschlichere Bchandlung erlaubt. Aber besteht diese volle Koalitionsfreiheit auch in Wirklichkeit? HSr.o' bi: Existenz der Gcvrer?fchafton nicht von bcn wechselnder! Ansichten der Behörden ob. well alle möglichen BeralhungSg,genstände, welche die Gewerkschaften garnicht übergehen können, für politisch erklärt werden und darum zu unerträgliche-. Beschränkungen der Arbeiterorganisation«! führen? Löst mm jeuralz Fabrikanlenverrine aus, weil sie Pelitionci! an die Regierungen unb Volke. Vertretungen senden, neue Zölle unb Liebesgaben, billigere Gütertarif!, bestimm!! Gesetze und GesetzeSabänderungcu fordern? Di- mirihschasilichen Verbände dr: Arbeiter lausen in ähnlichen Fällen fortwährend Gefahr, daß ihnen von oben herab daS Lebenslicht auSgedlofen wird. Dazu sind ihnen öffentliche Sammlungen. ­ öffentliche Ausrufe erschwert; ihre Gelder sind rechtlich lange nicht so sichergestellt wie etwa die der Mltengescllschafken und ähnlicher KaptlalSveretnigimgen. Die kann nurn demnach sin Deutschland von wirthschaftiiichsr ÄottliUonC* sreiheil der Arbeite» reden! Und nun gar von der Freiheit zu politischer Bereinigung und Versammlung ­ > Freilich, im Jahre 1848 und kurz daraus hat man diese Freiheit in den nlnsten Verfassungen all«, Bürgen, feierlich zugesichert. .All« Preußen sind berechttg«. sich ohne vorgängige obrigkeitliche Erlaubniß friedlich und ohne Waffen »u geschloffenen Näuuicn zu versaeuwel.-r All- Preußen haben daS Recht, sich zu solchen Zwecken, welche den Strafgesetzen nicht zmvlderl-uifen. in Gesellschaften zu vereinigen", — so heißt tO tn der preußischen VerfassnugS-Urkunde Doch was ist aus ähnlichen Versprechungen überall in den Jahren der Reaktion geworden? In Eisaß-Lothriogen. Meckttiil urg-Dchwrrin und Mecklenburg-Sirelltz ist die Begrüvbnng von politischen Vereinen gänzlich von der Genehmigung der Behörden abhängig gemacht. In Rudolstadt ist die Begründung ebenfalls hex | behördlichen Genehmigung unterstellt, dir zu versagen ist, wenn vt« Zusamr-iMsetzung, dn Zweck oder die Wirksamkeit d-S künftigen (I) Verein» mtt dem be> rüchligten allen AundeStagSbeschluß von 1854 nicht vereinbar erscheinen Schließlich sind die pottlischrn Vereine und solche, welche über Gemeindraiigelegeiihetteu &:• rachen, überhaupt verboten in R-uß ältere Linie I Ebenso sind in Lttrubu.g. Hissrn. Walbeck, wie in Rudolsiabt, Schoumburg-Lippe und Sondeiöbausrn wegen ihr-!, .Gefahr für dt, öffentliche Sicherheit" als ordnungswidrig verboten all: Arbetlerverein» und Verbrüderungen, wrlche politische (I), soztaltstisch« oder kommunisttsch» Zwecke verfolgen > Versarnuiinugen dürfen überhaupt »tut mit «brigkeitiicher Drlattboisj stallstndrn tn Elsaß-Lothringen, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelch Reust üllere Linie verbietet alle Versammlungen, welch- zur Förderung von .Umsturz" brstrebungrn bestimmt sind. Sachsen «uiersagt Versammlung«, in denen G-setzerübertrelungen und unsittliche Handlungen, sowie die Üluffordenmz und Anreizung dazu, zur Behändlunz gelangen sollen. Ferner giebt t& noch vorherig« Verbote in Mtenburg, Baden. Homburg. Bremen n. s. f. Dazu kommt bi« aurg,dehntest» AnslSsnngobefugnlß der Psltzd, dir vielfach überhaupt ohne jede Begrenzung ist. so in Alteiiburg, Meiningen und Weimar. Die Frauen werden säst überall noch schlechter bchandilt wie di« MSiincr Sir werden zwar heute genau so wi« die Männer crbarmnngSlcS iu d«t Svube'. de» Erwerbslebens hlneingeschleuderl; oder vielmehr, si» werden infolge ihrer größeren Hülslosigkett vom Kaptiot sogar doppelt anSgebentrt und haben daher doppell Anlaß, sich gcwrrkichastltch und politisch zu organtsirea — gewerrschaslllch, um ihre LsbenSlago fo writ als «uögilch durch eige,ee Kraft zu tzcdvi — politisch, um. wo dt« dgrne Lrujt versagt, di« E«sotzgd>rms zu ihrem Schutz«, zum 75. und 76. Agitationsflugblatt zum Kampf für das bedrohte Vereins- und Versammlungsrecht